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Sonntag, 28. April 2013

Randnotiz: Der Film, den es nicht gibt


Preisfrage: Welche Rolle spielt die Tiroler Ortschaft Mayrhofen in der deutschen Filmgeschichte? Ganz einfach: In und um Mayrhofen wurde zuerst VIA MALA (1945/46) gedreht und danach DAS VERLORENE GESICHT (1945) nicht gedreht.

Klingt komisch, ist aber so.

Um genau zu sein: Nur die Außenaufnahmen von VIA MALA entstanden im Zillertal, die Innenaufnahmen wurden in Berlin und Babelsberg gedreht. VIA MALA unter der Regie von Josef von Báky ist ein Überläufer. So nennt man Filme, die in einem bestimmten politischen System entstanden, aber (durch Krieg, Revolution etc.) erst in einem anderen herauskamen. Beispielsweise entstand Helmut Käutners UNTER DEN BRÜCKEN 1944, hatte aber erst 1946 Premiere. Akira Kurosawas DIE MÄNNER, DIE AUF DES TIGERS SCHWANZ TRATEN wurde 1945 gedreht, aber ihn fanden zuerst die japanischen Zensoren zu demokratisch und westlich, und dann die amerikanischen Zensoren zu japanisch und feudal, so dass er erst nach dem Ende der japanischen Besatzung im Jahr 1952 erschien. Bei VIA MALA hat es nicht ganz so lange gedauert. Er wurde zunächst im Sommer und Herbst 1943 gedreht, aber im Propagandaministerium verlangte man einen anderen Schluss, der einen Nachdreh im Juni und Juli 1944 erforderte. Und im März 1945 wurde er dann von der Zensur "wegen seines düsteren Charakters zurückgestellt", also vorläufig verboten. So kam es, dass er erst im November 1946 in Zürich offizielle Premiere hatte. In Ost-Berlin kam er erst im Januar 1948 heraus, und in West-Berlin und in der BRD gar erst 1950. Es gab jedoch schon am 7. April 1945 im Kino von Mayrhofen eine bemerkenswerte inoffizielle Vorpremiere. Anwesend waren nicht nur Einheimische, von denen viele als Statisten mitgewirkt hatten, sondern auch Mitglieder eines Filmteams, von denen manche auch schon an VIA MALA beteiligt waren. Harald Braun, der "Regisseur" (die Anführungszeichen werden gleich erklärt) des zweiten Teams, hielt eine ausufernde Lobrede auf Mayrhofen und seine Einwohner, deren Zweck es war, das angespannte Klima zwischen Einheimischen und Filmleuten zu verbessern.

Damit sind wir bei DAS VERLORENE GESICHT - das ist der Film, den es nicht gibt. (Es existiert ein Film mit diesem Titel von 1948, um den es hier jedoch nicht geht.) Natürlich gibt es viele Filme, die es nicht gibt. Etwa Sternbergs I, CLAUDIUS, Dreyers Jesus-Film, Clouzots L'ENFER, und diverse Filme von schlampigen Genies wie Orson Welles, die wegen Geldmangels abgebrochen werden mussten. Doch DAS VERLORENE GESICHT zeichnet sich dadurch aus, dass man ihn gar nicht drehen wollte. Und das kam so:

Anfang 1945 war es in Berlin ziemlich ungemütlich. Es gab ständig Luftangriffe, und es zeichnete sich ab, dass es in der Endphase des Krieges auch zu Bodenkämpfen in der Stadt kommen könnte. Was tun, wenn man Berliner war? Einfach stiften gehen konnte gefährlich werden, wenn man nicht die passenden Papiere hatte. Man konnte inhaftiert oder gar als vermeintlicher Deserteur erschossen werden. In dieser Situation entwarfen einige Leute bei der UFA einen dreisten Plan. Man müsste zu angeblichen Dreharbeiten zu irgendeinem möglichst abgelegenen und damit sicheren Ort aufbrechen, um dort das Kriegsende abzuwarten. Einmal angekommen, brauchte man nicht wirklich zu drehen beginnen, weil man eh nicht fertig werden würde - es war besser, das Filmmaterial für bessere Zeiten aufzusparen. Einer der Drahtzieher des Plans war Eberhard Schmidt, ein Herstellungsleiter bei der UFA. Seine filmgeschichtlich größte Tat war es, mit seiner Herstellungsgruppe den Renommierfilm MÜNCHHAUSEN mit Hans Albers zu produzieren, und dieselbe Gruppe innerhalb der UFA produzierte auch VIA MALA. Schmidt und seine Mitarbeiter bei VIA MALA wie Produktionsassistent Horst Kyrath und Aufnahmeleiter Ali Schmidt (meines Wissens nicht mit Eberhard Schmidt verwandt) kannten also Mayrhofen, das somit eine naheliegende Wahl für den "Drehort" war. Es wurden bei den für die Genehmigung zuständigen Beamten im Propagandaministerium gleich für zwei Filme Anträge eingebracht. Natürlich war es absurd, im Frühling 1945 noch neue Spielfilme drehen zu wollen. Aber offiziell war ja der "Endsieg" immer noch unausweichlich, und für die Zeit danach mussten ja auch Filme gedreht werden - und mit dieser Argumentation kam man durch. Ob sich das Propagandaministerium wirklich in der eigenen Propaganda verfing, oder ob da jemand den Bluff durchschaute, aber beide Augen zudrückte, sei dahingestellt. Jedenfalls wurden beide Filme genehmigt, und sobald das der Fall war, schwoll die Zahl derer, die dafür "unabkömmlich" waren, beachtlich an - auf insgesamt über 100 Teilnehmer. So setzten sich also Mitte März 1945 zwei Gruppen in Bewegung. Allein nach Mayrhofen brachen über 60 Leute auf, um vorgeblich DAS VERLORENE GESICHT, aber in Wirklichkeit nur Däumchen zu drehen, und der andere Tross zog in die Lüneburger Heide (über diese zweite Expedition weiß ich leider nichts näheres).

Leiter der Mayrhofen-Gruppe war Eberhard Schmidt, Kyrath und Ali Schmidt waren auch dabei. "Regisseur" war, wie oben schon erwähnt, Harald Braun, "Kameramann" war Robert Baberske, Emil Hasler "Filmarchitekt", und als angebliche Hauptdarsteller fungierten Ullrich Haupt und Hannelore Schroth. Und dann gab es das ganze Spektrum von Filmtechnikern, Handwerkern und Arbeitern. Einige brachten auch ihre Angehörigen mit nach Tirol. Vermutlich der letzte, der auf die Liste für Mayrhofen kam, war Erich Kästner, und zwar als "Drehbuchautor". Er saß in Berlin fest, und er hatte keine Ahnung von der Aktion, bis seine Lebensgefährtin Luiselotte Enderle zwei Tage vor dem Abfahrtstermin auf einem Studiogelände Eberhard Schmidt über den Weg lief, der mit Kästner und Enderle befreundet war. Am selben Abend wurde alles besprochen, und Kästner kam auf die Liste. Als Drehbuchautor war er nicht unplausibel. Er hatte zwar als Schriftsteller im Dritten Reich schon lange Schreibverbot, konnte aber unter Pseudonymen und mit Sondergenehmigungen einige Drehbücher verfassen, unter dem Pseudonym Berthold Bürger sogar für MÜNCHHAUSEN (ohne in den Credits und in der deutschen Presse erwähnt zu werden). Gefährlich war es trotzdem, Kästner ohne offizielle Erlaubnis auf die Liste zu setzen, aber technisch war es ganz einfach: Schmidt besaß von Reichsfilmintendant Hans Hinkel unterschriebene Blankoformulare, in die er nur Kästners Namen einsetzen und mit seiner eigenen Unterschrift beglaubigen musste. Damit beschaffte sich Kästner am nächsten Tag alle weiteren nötigen Dokumente, er hob eine größere Menge Bargeld ab, und einen weiteren Tag später ging es los. Luiselotte Enderle brauchte keine Sondergenehmigung. Als bei der UFA angestellte Dramaturgin wurde sie zu angeblichen Gesprächen mit einem Autor nach Innsbruck geschickt, von wo sie leicht nach Mayrhofen gelangen konnte. Obwohl der zweisitzige Wagen, mit dem Kästner und Schmidt von Berlin zunächst nach München fuhren (das Gros rückte getrennt in Lastwägen aus), ohne Feindeinwirkung zweimal Feuer fing, kamen letztlich alle wohlbehalten in Mayrhofen an.

Wirklich gemütlich war es auch in Mayrhofen nicht. Der Ort war schon mit Flüchtlingen aus Deutschland und Österreich überfüllt, und die meisten Einheimischen standen den Fremden (und insbesondere den "Piefkes" aus Berlin) reserviert bis feindselig gegenüber. Und es gab immer noch Funktionäre, die längst unsinnig gewordene Vorschriften und Befehle ausführten (und sei es nur, um nicht selbst von der nächsthöheren Instanz aufgehängt oder erschossen zu werden, was in den letzten Kriegswochen oft genug vorkam). Um die unliebsamen Preußen wieder loszuwerden, leierte irgendwer die sofortige Einberufung aller männlichen Mitglieder des Filmteams zu einer vierwöchigen Wehrübung der Tiroler Standschützen (!) an. Nachdem die Filmleute bei verschiedenen Dienststellen intervenierten (Eberhard Schmidt fuhr sogar extra nach München, um mit Berlin zu telefonieren), löste sich die absurde Einberufungsaktion nach und nach in nichts auf. So unsinnig der Vorgang erscheint, bedeutete er doch reale Gefahr für Leib und Leben. Etwas später, kurz vor Ende der Kampfhandlungen in Tirol, wurden ältere Männer und Jugendliche aus der Gegend eingezogen, um einen Alpenpass zu verteidigen. Gegen die gut bewaffneten und kampferprobten Amerikaner hatten sie natürlich keine Chance, und entsprechend stark wurden sie dezimiert. Als selbst einige Generäle meinten, dass es Zeit zur Kapitulation sei, wurden sie vom örtlichen Kreisleiter zum Weiterkämpfen genötigt. Erst als der Regimentskommandeur in Gefangenschaft geriet, wurde der klägliche Rest von einem gnädigen Major wieder ins Zivilleben entlassen. Ähnliches hätte den Filmleuten auch widerfahren können, wenn man sie wirklich eingezogen hätte. Als die Einberufung noch als Drohung in der Luft lag, schien es geboten, Aktivität vorzutäuschen. Kästner schildert das so:
Mayrhofen, 19. April 1945

Eberhard ist aus München zurück, hat Berlin telefonisch erreichen können und erhofft Rückendeckung, denn er traut dem Frieden nicht, und er hat gar nicht so unrecht. Die Seminardirektorin, der Ortsgruppenleiter und ihr Anhang haben die Anweisungen aus Innsbruck und Schwaz geschluckt, aber nicht verdaut. Man ignoriert uns, »den Dolch im Gewande«. Deshalb zog heute, denn die Sonne schien, die Ufa, mit den geschminkten Schauspielern an der Spitze, geschäftig durch den Ort, hinaus in die Landschaft, und drehte, was das Zeug hielt. Die Kamera surrte, die Silberblenden glänzten, der Regisseur befahl, die Schauspieler agierten, der Aufnahmeleiter tummelte sich, der Friseur überpuderte die Schminkgesichter, und die Dorfjugend staunte. Wie erstaunt wäre sie erst gewesen, wenn sie gewußt hätte, daß die Filmkassette der Kamera leer war! Rohfilm ist kostbar. Bluff genügt. Der Titel des Meisterwerks, ›Das verlorene Gesicht‹, ist noch hintergründiger, als ich dachte.
Ende April wurde aus der "Ostmark" wieder Österreich, und Anfang Mai war der Krieg in Tirol zu Ende, ebenso wie in Italien. Im überfüllten Mayrhofen gab es immer noch Zulauf. Reste der deutschen Italien-Armee, die sich nicht an Ort und Stelle ergeben wollten, zogen in kleinen Gruppen über die Alpen und kamen in arg derangiertem Zustand über die südlichen Pässe ins Zillertal. In die andere Richtung fuhr ein Autokonvoi mit Russen in deutschen Offiziersuniformen. Es handelte sich um Stabsoffiziere der Wlassow-Armee, die für Hitler gegen die Rote Armee gekämpft hatte. Sie fuhren weiter nach Hintertux, dem hintersten und höchstgelegenen Ort im Tal, um dort auf die Amerikaner zu warten und sich dann zu ergeben. Die meisten Mitglieder der Wlassow-Armee wurden später von den Amerikanern an die Russen ausgeliefert, wo es ihnen schlecht erging. Ob das für diese Zillertaler Fraktion auch galt, weiß ich nicht. Auch Zivilisten kamen immer noch in Mayrhofen an, darunter Marika Rökk mit ihrer einjährigen Tochter (der späteren Schauspielerin Gaby Jacoby). Und noch jemand traf ein, nämlich Leni Riefenstahl. Sie hatte in ihrer mit Studiotechnik ausgestatteten Villa in Kitzbühel bis zuletzt an der Fertigstellung von TIEFLAND gearbeitet (auch ein Überläuferfilm, der erst 1954 herauskam). Dann ergriff sie etwas kopflos die Flucht. In Mayrhofen und in einem Gasthaus am Tuxer Joch, wohin sie weiter geflüchtet war, traf sie alte Bekannte, von denen aber begreiflicherweise keiner mehr etwas mit ihr zu tun haben wollte. Schließlich gab sie, von einer Gallenkolik geplagt, auf, und kehrte nach Kitzbühel zurück. Sie hätte sich die ganze Mühe sparen können. In Kitzbühel wurde sie festgenommen, ins Hauptquartier der 7. US-Armee nach Dachau gebracht und dort verhört. Aber schon Anfang Juni wurde sie als unbelastet eingestuft und wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie ging nach Kitzbühel zurück, wo sie unbehelligt lebte, bis sie von den Franzosen, die die Verwaltung in Tirol übernommen hatten, nach Deutschland ausgewiesen wurde.

Am 5. Mai trafen die ersten Amerikaner in Mayrhofen ein. Die Besatzungssoldaten waren weitgehend freundlich (nicht nur, aber besonders zu den Damen), und einige Mitglieder des Filmteams konnten gut Englisch. Eberhard Schmidt hatte einige Zeit als Angestellter einer Bank in New York gearbeitet, und Ullrich Haupt war sogar in den USA aufgewachsen. Sein gleichnamiger Vater besaß in Chicago ein Theater, wo er als Darsteller und Regisseur wirkte, und er spielte auch in Hollywood-Filmen (u.a. in Sternbergs MOROCCO mit Marlene Dietrich und Gary Cooper). Nach dem vorzeitigen Tod von Haupt sen. bei einem Jagdunfall war der Rest der Familie nach Deutschland zurückgekehrt. In Mayrhofen befreundete sich Haupt mit einem Lieutenant Colonel, der ihm und Harald Braun Ausflüge nach München und sogar nach Straßburg in einem Dienst-Jeep ermöglichte. Aber der Rest des Filmteams saß mehr oder weniger im Zillertal fest. Offizell war man immer noch im Auftrag der UFA vor Ort, aber die hatte schon seit einiger Zeit keine Löhne mehr überwiesen, und die Zukunft des Konzerns war ungewiss. Harald Braun hoffte, jetzt tatsächlich irgendeinen Film drehen zu können, aber das zerschlug sich endgültig, als Mitte Juni die Filmausrüstung und die Lastwägen von der Militärregierung beschlagnahmt wurden. Die Expeditionsteilnehmer, die keine größeren Geldmittel dabei hatten, hielten sich über Wasser, indem sie ihre erlernten Handwerksberufe ausübten oder sich in den lokalen Schwarzhandel einschalteten. Aber inzwischen hatten die meisten genug und wollten nach Hause, vor allem die, die Angehörige zurückgelassen hatten. Nach und nach löste sich die Expedition auf, und als Anfang Juli bekannt wurde, dass die Franzosen Tirol übernehmen würden, war das auch für Kästner und Luiselotte Enderle das Signal zum Aufbruch. Sie zogen zunächst zu Enderles Schwester nach Schliersee. Eberhard Schmidts Spur verliert sich noch 1945. Ullrich Haupt, immer hauptsächlich ein Theatermann, ging für fünf oder sechs Jahre zurück in die USA, wo er Tourneetheater spielte, dann holte ihn Gustaf Gründgens an die deutschen Bühnen zurück. Nebenher drehte er weiter Filme, und später arbeitete er viel fürs Fernsehen (u.a. etliche Auftritte in DER KOMMISSAR, DERRICK und DER ALTE). Harald Braun drehte 1947 mit ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN einen der bekanntesten Trümmerfilme, freilich auch ein Reinwaschungsfilm, der vielen alten Mitläufern des Regimes einen Persilschein ausstellte. Danach drehte er vorwiegend Melodramen und Schmonzetten, allerdings verantwortete er als Produzent auch interessante Filme wie NACHTS AUF DEN STRASSEN, MONPTI oder KIRMES. Erich Kästner ließ sich in München nieder, wo er als Journalist und als Kabarett-Autor für die "Schaubude" arbeitete.

Kästner führte vom 7. Februar bis zum 2. August 1945 (wie zuvor schon 1941 und 1943 für jeweils ungefähr ein halbes Jahr) ein stichwortartiges, stenographisches Tagebuch, das ihm als Gedächtnisstütze für einen großen Roman über die Zeit des Nationalsozialismus dienen sollte, den er nach dem Ende des Spuks schreiben wollte. Den Roman hat er dann doch nicht geschrieben, weil er es weder konnte noch wollte, wie er selber sagte. Dafür vervollständigte er 15 Jahre später die Stichpunkte zu einem ausgeschriebenen, für ein Publikum lesbaren Text, wobei er seiner Aussage nach die notwendig enthaltenen Fehler und Irrtümer nicht bereinigte (Kästner: "Denn ich bin nicht vom Verschönerungsverein. Vom Selbstverschönerungsverein schon gar nicht."). Diesen Text, jetzt eine Mischung aus Tagebuch und Erinnerungen, veröffentlichte er 1961 unter dem Titel "Notabene 45". Dieses faszinierende Büchlein (ca. 220 Seiten) wird nach wie vor gedruckt, und man bekommt es zum günstigen Preis. Es ist die Hauptquelle für diesen Artikel. Abgesehen von den Vorgängen um DAS VERLORENE GESICHT hat Kästner noch mehr Nachrichten aus Absurdistan zu vermelden - nicht nur aus Tirol, sondern auch aus Berlin und Umgebung, und über eintreffende Rundfunkmeldungen und Berichte von Flüchtlingen von überall im implodierenden braunen Reich. Der Grundton ist ironisch bis sarkastisch, wie man es von einem Kästner erwartet, aber es gibt auch sehr persönliche Stellen (etwa wenn es um seine Eltern geht, die den Feuersturm von Dresden überlebten), und gelegentlich bricht das nackte Grauen durch. Von mir ein nachdrücklicher Lese- oder Geschenktipp! - Josef von Bákys VIA MALA ist anscheinend nicht erhältlich, dafür bekommt man die Version von 1961 mit Gert Fröbe und den Fernseh-Dreiteiler von 1985 mit Mario Adorf auf DVD. - 1986 drehte Heinrich Breloer für den NDR die Doku DAS VERLORENE GESICHT. EINE REISE MIT ERICH KÄSTNER. Es treten u.a. Ullrich Haupt, Hannelore Schroth und Luiselotte Enderle auf, und Breloer begibt sich in Mayrhofen auf Spurensuche.