Dienstag, 19. April 2011

Kurzbesprechung: Die Entdeckung der Currywurst


Die Entdeckung der Currywurst
(Die Entdeckung der Currywurst, Deutschland 2008)

Regie: Ulla Wagner

Filme, die ganz auf das Schweigen setzen, sind in unserer beredten Zeit eine Rarität. In Ulla Wagners lose auf einer Novelle von Uwe Timm basierendem "Die Entdeckung der Currywurst" ist das Schweigen sogar nötiger Bestandteil der Geschichte; denn diese spielt in einer Zeit, in der jedes verräterische Geräusch lebensgefährlich sein konnte. Mit dem Schweigen geht hier aber auch ein Verschweigen wichtiger Dinge einher, mit dem man sich ein paar Tage Glück zu erkaufen versucht.

Im Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg begegnet Lena, eine reife Frau mittleren Alters und Besitzerin einer Imbissbude, einem jungen Mann, dem sie während der letzten Kriegstage Unterschlupf gewährte. Zwischen der Kantinenleiterin und dem desertierten, weil zum Endkampf an der Heimatfront abkommandierten Marinesoldaten war damals eine kurze, geheim gehaltene Liebesbeziehung entstanden,   die Lena mit einer Lüge zu verlängern versuchte, als sie den sie abhorchenden Nazi-Hauswart nicht mehr zu fürchten brauchte.Doch der junge Mann brach aus seinem goldenen Käfig aus, um zu seiner Familie zurückzukehren. Und während Lena die letzten Tage des Untergangs paradiesisch vorgekommen waren, stand sie jetzt  - eine alternde Frau - vor einer grossen Leere - bis sie zufällig die Currywurst erfand* und ihr Leben erneut in die Hand nahm. - Die beinahe wortlose Begegnung an der Imbissbude währt wiederum nur kurz, man geht jedoch im Frieden auseinander.

Eine solche Hinterhofgeschichte, die uns eine andere, ganz private Seite vom “Untergang” zeigt und in der Trümmerhaufen und Militärfahrzeuge eine Nebenrolle spielen, bedarf Schauspieler, die in der Lage sind, sie schweigend, der sie begleitenden zarten Musik den Vorrang lassend, zu tragen. Ulla Wagner fand sie in Barbara Sukowa, einer ehemaligen Fassbinder-Muse, und dem jungen Alexander Khuon. - Unprätentiöse kleine Filme wie “Die Entdeckung der Currywurst” werden natürlich nicht vom Jubelgeschrei der Menge begleitet und finden ihre Zuschauer oft erst in Fernsehen. Trotzdem sollten ihre innere Grösse und die Fähigkeit, ihnen überhaupt Leben einzuhauchen, nicht unterschätzt werden. Man stelle sich vor, was für eine geschwätzige Angelegenheit Hollywood aus einer solch stillen Romanze, die nur als Ausnahmezustand eine Chance hat, machen würde! - Ich möchte hier von einer bemerkenswerten, wenn auch nicht mit Fanfarenstössen angekündigten Leistung des deutschen Films reden, die es immer wieder zu würdigen gilt.

*Um Berliner, die sich bekanntlich für die Erfinder des ungeniessbaren Zeugs halten, nicht zu beleidigen, sei hier betont, dass wir es  mit einer fiktiven Geschichte zu tun haben.

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