Samstag, 11. Juni 2011

Amour fou 1986

Betty Blue - 37,2 Grad am Morgen (Director's Cut)
(37° 2 le matin, Frankreich 1986)

Regie: Jean-Jacques Beineix
Darsteller: Jean-Hugues Anglade, Béatrice Dalle, Gérard Darmon, Consuelo De Haviland, Clémentine Célarié, Jacques Mathou, Vincent Lindon u.a.

“Es war jetzt eine Woche her, seit ich Betty getroffen hatte. Wir bumsten jede Nacht.” Diese Worte folgen dem intensiven Geschlechtsakt eines jungen Paares unter einer Mona Lisa-Reprodukton, mit dem ein Film einsetzt, den ich als kaum in Worte zu fassende Begleitung einer “Amour fou” bezeichnen möchte, die sich nahezu drei Stunden lang von Station zu Station dem sie letztendlich - vielleicht - zerstörenden Wahn zu entziehen versucht. Filmkritiker Roger Ebert, Intimus des “Supervixens”-Regisseurs Russ Meyer, sah die Sache in seinem Totalverriss allerdings ein wenig anders: “Love is not the same thing as nudity. This may seem obvious, but I feel it ought to be explained to director Jean-Jacques Beineix, who has made a film that he thinks is about romantic obsession, and I think is about skin.” Vielleicht ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein für billige Sexfilmchen zuständiger Drehbuchautor (der sich als Kritker zufällig mal den Pulitzer-Preis ergatterte) nur schwer zu begreifen vermag, wie ehrlich gerade als selbstverständlich dargestellte Nacktheit eine solche Leidenschaft, die kaum mehr Aussenstehende an sich heranlässt, macht. Beineix, als “Cinéma de look”-Architekt gefeiert, begriff es.


Jean-Jacques Beineix gilt als eine der eigentümlichsten Figuren des zeitgenössischen französischen Kinos. Obwohl hochtalentiert, bleibt er doch ein ewiger Hoffnungsträger, der uns erst zwei wirklich überragende Filme geschenkt hat. Mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm “Diva” (1981) gelang ihm ein fulminanter, mehrfach ausgezeichneter Einstieg als Regisseur; doch dann folgte 1983 der Flop “La lune dans le caniveau”. - Der hier zu besprechende “37°2 le matin” übertraf sogar den Erstling und holte sich eine Oscar-Nominierung in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film" - die das sämtliche Sinne berauschende Fest der Bilder und Emotionen auch mehr als verdiente. Es führte nicht nur zu einer erneuten Begegnung mit Jean-Hugues Anglade, der drei Jahre zuvor in “L’Homme blessé” einen 18-jährigen (!) Homosexuellen gespielt hatte, sondern machte - Beineix hatte ein Gespür für Begabungen! - auch die junge Béatrice Dalle, die sich später ihre Rollen in ungewöhnlichen Filmen (“Le Temps du loup”, 2003, “A L’Interieur”, 2007) immer gezielt aussuchen sollte, in ihrem Debüt zur Erotik-Bombe der späten 80er. - Seit diesen oft als “Kultfilmen” bezeichneten Werken wartet man vergeblich auf einen Film, der die Bedeutung des Regisseurs festigen würde.

“37°2 le matin” (der Titel weist auf die Körpertemperatur einer schwangeren Frau hin) ist die Verfilmung eines Romans von Philippe Djian, der als Schriftsteller wohl nicht weniger "schwierig" und unstet ist als der Regisseur (Djian, der es nie länger als fünf Jahre am gleichen Ort aushält, hat einen sehr wechselhaften Lebenslauf hinter sich, schreibt jedoch, seit sein Roman dank der Verfilmung durch Beineix zu Weltruhm gelangte, spannende Texte, die sich völlig vom französischen Literaturbetrieb fernhalten und stattdessen an Jack Kerouac oder J.D. Salinger erinnern). Erzählt wird von der Odyssee zweier Menschen, die ihre zuerst unkonventionelle Liebe zueinander festigen wollen und einen sicheren Hafen für sie suchen, ihn sogar in der Provinz als "normales Paar" zu finden scheinen. Dass es sich bei dieser Odyssee um die letzten Monate der Reise einer psychisch schwer kranken Frau handelt, verdrängen sie zwanghaft, halten daran fest, dass nichts sie zu trennen vermag.

Der gescheiterte Schriftsteller Zorg führt in einer südfranzösischen Feriensiedlung ein sorgloses Leben als “Mädchen für alles”, als die  leidenschaftliche Betty in sein Leben tritt. Das lebenshungrige, intensivste Leidenschaft fordernde Wesen lässt ihn ganz neue Formen der Ekstase verspüren und sorgt dafür, dass er ihm völlig verfällt. Bald spielt auch der alte Georges, der die beiden mit seinen Saxophon-Improvisationen in die Nacht begleitet, nur noch eine Nebenrolle. Und sogar Zorgs Chef, der das Anstreichen der Ferienhütten verlangt, muss in den Hintergrund treten; denn Betty kann wirklich alles, und sie nimmt es mit einem Durchsetzungswillen  in Angriff, der den sonst den Dingen ihren Lauf lassenden jungen Mann überwältigt. Als sie die Manuskripte ihres Liebhabers entdeckt, liest sie diese konzentriert durch und erklärt ihn mit Bestimmtheit zum bedeutenden Autor, der endlich Anerkennung verdient. Ein traumhaftes, von gelegentlichen Wutausbrüchen Bettys wohltuend unterbrochenes Leben unter der Sonne Südfrankreichs scheint sich anzubahnen - bis die Frau, deren “Wahnsinn” andere schon früh erkennen, nach einer Auseinandersetzung mit Zorgs Chef die Hütte in Brand steckt und ihre Eroberung ultimativ zur Flucht auffordert.

Die beiden landen in Paris, wo sie im leerstehenden Hotel von Bettys Freundin Lisa Unterschlupf finden. Während Betty Zorgs Roman abtippt, um ihn diversen Verlegern zu schicken, kümmert er sich um die defekten Rohrleitungen, setzt sich aber auch erneut mit seiner schon lange andauernden Schreibblockade auseinander (ein bewegender Moment, der das Bedürfnis des Films, jedes Detail sinnlich zu erfassen, verdeutlicht: die Langsamkeit, mit der Zorg ein vollgekritzeltes Blatt Papier anzündet, es zwischen seinen Fingern beinahe verbrennen lässt, um es dann endlich ins Spülbecken zu legen). - Doch bald scheint das gewohnte “Dolce Vita” seine Fortsetzung zu finden: Lisa verliebt sich in  den Pizzeria-Besitzer Eddy, den Mann mit den unkonventionellen Morgenmänteln und dem ungezwungenen Lachen, mit dem man herrliche Saufgelage veranstalten kann.  Er stellt das Paar als Kellner ein - und hier wird Zorg im unerwartetsten Augenblick endgültig mit Bettys dunkler Seite konfrontiert: Während er die Pizza einer sich ständig beschwerenden Kundin mit Resten aus dem Müll füllt, sticht seine völlig ausser sich geratende Freundin sie mit der Gabel in den Oberarm...

Die Übernahme des Klaviergeschäfts von Eddys verstorbener Mutter in einem Provinznest soll zur letzten, wenn auch anfangs voller Hoffnung angetretenen Station der Liebenden werden (ein nächtliches gemeinsames Spielen auf zwei Flügeln - die Blues-Melodie entwickelt sich zum Leitmotiv des restlichen Films  und fängt seine bitter-süsse Stimmung ein -  verdeutlicht ihre unbedingte, von Unausgesprochenem und Unaussprechbarem durchzogene Zusammengehörigkeit). Hier, inmitten von Spiessbürgern mit all ihren Macken, wollen auch sie ein ganz normales, beinahe konventionelles Paar, das die Einsamkeit und Trostlosigkeit seines vom Wahn bedrohten Lebens zu überwinden vermag, sein. Zorg freundet sich mit dem Lebensmittelhändler Bob, einem "Albino", an und widersteht dessen nymphomanischer Gattin. Und Betty, die noch immer das Unmögliche vollbringt, verkauft Klaviere. - Nach einem sonnendurchfluteten Tag auf dem Land, der ein letztes Mal den Traum von einer unbeschwerten Liebe heraufbeschwört (“es war wie ein Taumel”),  erfährt Betty, dass sie wider Erwarten nicht schwanger ist; und sie lässt sich völlig in ihre eigene stumme Welt gleiten, in der sie ein verzweifelter Zorg nicht mehr zu erreichen vermag. Doch dies ist erst der Anfang vom Ende ihrer letzten gemeinsamen Reise...

Es gibt Filme, deren beachtliche Länge man rühmen mag; es gibt solche, die man gerade wegen ihrer Länge nur mit einem unterdrückten Gähnen durchsteht. Im Falle von “37°2 le matin” ist mir die Länge gar nicht aufgefallen, und ich kann mir nicht vorstellen, wie die ursprüngliche zweistündige Kinofassung gewirkt haben muss. Dies liegt an den vielen kleinen Episoden (etwa der vorübergehend wunderbar erleichternden Szene, in der Zorg und Eddy einen abstinenten Olivenverkäufer zum Trinken verführen oder dem chaotischen Transport eines Flügels) , die die von Zorg im Rückblick erzählte Odyssee anreichern, es liegt mit Sicherheit an der einzigartigen Stimmung, die den Zuschauer schlicht überwältigt - und es liegt an den Aufnahmen und der aus wenigen Motiven bestehenden, jedoch berückenden  Musik (die Klänge eines alten Karussells, das Blues-Motiv auf dem Klavier und ein Saxophon). All diese Elemente sind nicht symbolisch überfrachtet; sie stimmen einfach, tragen auf seltsam-magische Weise zu dem bei, was die Geschichte ohne aufdringliche Botschaft ausmacht. Und sie setzen Eddys trauriger Bemerkung nach dem Tod seiner Mutter “So ein Leben ist keine grosse Sache” etwas anderes entgegen: Es kann Schönheit in einer Tragödie geben. - Also durchaus ein erotischer Film, jedoch noch viel mehr.


Das "Lexikon des internationalen Films" bezeichnete diese seltsame Reise in eine sich nicht als solche akzeptierende Hoffnungslosigkeit, die gegen Ende sogar mit tragischer Ironie glänzt, übrigens als ein "mit wenig inhaltlicher Substanz aufbereitetes Liebesdrama ... oberflächlich und belanglos".

***

Ich habe den Titel dieses Eintrags bewusst mit einer Jahreszahl versehen. Denn obwohl viele Filme, insbesondere französische, von einer "Amour fou" handeln, möchte ich bei Gelegenheit wenigstens noch zwei Arbeiten aus Frankreich besprechen, die mit dem gleichen Titel versehen werden müssen, eine aus den 90er Jahren und eine aus dem ersten Jahrzehnt dieses Millenniums. Ob sie an Beineix' Meisterwerk heranreichen, wird sich zeigen.

Kommentare:

  1. Achja, Diva wollte ich ja auch noch sehen...

    Die gute Betty Blue ist für mich so eine typische Nachtbegegnung, bei der ich dann trotz Frühschicht noch bis nach Eins gebannt dem 3Sat Programm folge. Ich habe keine neue Erkenntnis gewonnen. Gebracht hat es mir nichts. Aber es war diese knisternd schwüle Spannung da. Diese natürliche Leidenschaft. Diese bürgerliche Normalität im Abnormalen. Dieses Anderssein, obwohl es doch eigentlich genauso ist. Oder? Sind Liebende nicht einfach bescheuert? Sind Menschen nicht einfach bekloppt? Gibt es das eigentlich, normal sein? Einfach über die Runden kommen, einfach ficken. Einfach anzünden, wenn man es nicht mehr ertragen kann. Ist das nun Anarchie? Spontanität? Ein aus dem Gleichgewicht geratendes Zen? War nicht alles am besten als Nichts war?

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  2. Nachdem ich die beiden Vorgängerfilmen gesehen hatte, verbannte ich Beneix aus meinem Gesichtsfeld. "Diva" fand ich unerträglich prätentiös und selbstzweckhaft, "La lune dans le caniveau" war sogar noch schlimmer.
    Wenn ich nun Deine Lobeshymne auf Beneix' dritten Film lese, sehe ich mich gezwungen, meinen Prinzipien untreu zu werden, und doch noch einen Blick auf darauf zu werfen. Irgendwann. Wenn ich "den Berg" abgetragen habe!

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  3. @Intergalactic Ape-Man: Ich denke, du hast die denkbar gültigsten Worte für das Bemühen des Regisseurs, keine Botschaft zu vermitteln, gefunden. Er erzählt einfach eine mit unglaublicher Stimmung und Spannung beladene Liebesgeschichte: zwei verrückte Menschen inmitten anderer bekloppter Menschen. Und Betty lebt die gewalttätigen Wünsche aus, denen sich Zorg (siehe das Beladen der Pizza mit Resten aus dem Müll!) nur subtil hingibt. Der Wikipedia-Artikel "glänzt" in diesem Zusammenhang mit dem Begriff "Borderline"; aber darum geht es Beineix nicht.

    Man muss freilich, und dies gleich als Warnung an gabelingeber, etwas mit der im Film vermittelten Atmosphäre anfangen können, keine Erkenntnisse erwarten, sonst hat man wirklich drei Stunden seines Lebens vergeudet. Freut mich, dass es bei dir geklappt hat.

    @gabelingeber: Ich kenne Leute, für die allein schon der Name Béatrice Dalle ein Grund war, den Film nicht zu mögen. Sie gilt nämlich als Garantin für Prätention. Aus diesem Grund möchte ich dir "37°2 le matin" nicht unbedingt ans Herz legen. Man muss wohl eine etwas "spezielle" Ader für ihn haben, und ich möchte nicht vom halben Nachbarskanton tätlich angegriffen werden. ;)

    In meinem Fall spielte auch noch das grossartig zurückhaltende Spiel von Jean-Hugues Anglade eine wesentliche Rolle. Er ist ein Ausnahme-Talent, das leider seit "La Reine Margot" (1994) nicht ausreichend gewürdigt wurde. - Aber wie gesagt: der Film lebt von der Stimmung, und man muss von ihr wohl in den ersten Minuten gepackt werden. Ich wasche also ausnahmsweise meine Pfoten vorsorglich in Unschuld.

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  4. Danke für die Warnung. Ich verstehe sie als Orakel; es sagt mir, dass ich um den Film einen grossen Bogen machen werde.
    Von der Dalle habe ich noch nie was gesehen ... doch, in Jarmushs Taxi-Film "Night on Earth" taucht sie in einer Episode auf. Aber Jarmush ist eben Jarmush...

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  5. Genau: die Paris-Episode. Sie vermittelt dir einen ungefähren Eindruck, wie sehr sich die Dalle in ihre Figuren eingibt. Beineix machte aus ihr damals aber wirklich noch eine Erotik-Ikone, was sich im Verlauf des Films natürlich ändert. Solltest du bei Gelegenheit günstig an "37°2 le matin" kommen, wirf ruhig einen Blick rein. Du bemerkst rasch, ob dir die Atmosphäre zusagt (Splatter-Mutti war z.B. völlig hingerissen, obwohl sie sonst vorgibt, mit Sex nichts mehr am Hut zu haben).

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  6. Um die Romane von Djian habe ich mich seit vielen Jahren irgendwie herumgedrückt (und in der Folge auch um diesen Film). In den achtziger Jahren war er ja mal ein Modeautor, weswegen Betty Blue auch schnell verfilmt wurde. Geht mir wie gabelingeber, da war ein gewisser Aversionswall.

    Paasend zum Review ist gerade ein neuer Roman von Djian erschienen, Die Leichtfertigen.

    Wenn ich das lese, kann ich auch jetzt nicht behaupten, völlig begeistert zu sein.

    Andererseits: Manchmal möchte ich mich bewusst auf etwas mir Fremdes einlassen. Dein Review zeigt ja sehr schön den Weg, der zu beschreiten wäre. Aber ob ich ihn gehen möchte oder gerne ginge?

    Hmmhmm....

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  7. Djian schreibt übrigens auch Texte für den Chansonnier Stephan Eicher, wobei ich nicht weiss, ob der in Deutschland so bekannt ist wie in Frankreich. Der von dir verlinkte Spiegel-Artikel vermittelt dir eine gute Ahnung von dem, was dich auch bei 37°2 le matin" erwarten würde: Erwarte keine Hilfestellungen, frag nicht nach dem Sinn! Man muss sich einfach treiben lassen, was mir längst nicht bei allen Filmen gelingt, die es verlangen, im Falle dises Beineix-Streifens jedoch problemlos funktionierte.

    Nie zuvor begann ich innerlich zitternd einen Film nur unter Vorbehalt zu empfehlen... ;)

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  8. Von Beineix kenne ich nur DIVA. Der mag prätentiös sein, aber das hat mich bei einem Film noch nie gestört, und damals gehörte es ja geradezu zum Programm des gerade erfundenen "postmodernen" Films. Jedenfalls mochte ich ihn, genau wie Luc Bessons recht ähnlichen SUBWAY. BETTY BLUE ist aber bisher an mir vorbeigegangen. Wenn er mal im Fernsehen kommt, werde ich ihn sicher mitnehmen.

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  9. Stimmt: Es gibt durchaus grosse Ähnlichkeiten zwischen "Diva" und Bressons "Subway". Der Begriff "postmodern" mag auch auf "Betty Blue" zutreffen, er ist mit Sicherheit anders als die französischen Liebesfilme seiner Zeit. Dieses Anderssein, ein völliges Vertrauen in die erzeugte Stimmung, faszinierte mich auch vom ersten Moment an (mangels anderer Worte lobte ich deshalb vor allem die Bildgebung und die Musik). - Ich nehme an, du könntest etwas mit "Betty Blue" anfangen; sollte er dich enttäuschen, darfst du problemlos noch in einem Jahr auf meine Besprechung zurückkommen und mich in der Luft zerfetzen. ;)

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  10. Da kommt es halt auf die Sichtweise an.
    Prätentiös ist für mich ein Film, der auf Aeusserlichkeit alles gibt, dafür mit inhaltlicher Leere "glänzt". Sowohl "Diva" als auch "Subway" empfand ich in diesem Sinne als "prätentiös" - alle anderen Werke Bessons übrigens auch.
    Mit dieser Generation französischer Regisseure kann ich wohl einfach nichts anfangen...

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  11. Wir nehmen dirs auf jeden Fall sicher nicht übel, gabelingeber. :) Filme sind, wie so vieles, nun einmal Geschmacksache, und ich käme mit ein wenig Nachdenken problemlos auf Dutzende von Meisterwerken, die ich Sch***** fand, gestehe hiermit auch ein, dass mir von Wenders' Wim nur etwa siebeneinhalb Minuten zusagen. Man findet sie in "Paris, Texas" (1984). Hach, es tut manchmal richtig gut sich durch Geständnisse Luft zu verschaffen. :)

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  12. Ha! Siehe: Doch eine Gemeinsamkeit! Wim Wenders! Ich bin nicht mal sicher, ob ich bei ihm überhaupt auf siebeneinhalb Minuten komme! Ich sage nur: Prä-ten-tiös - aber der Inbegriff davon.
    Wenn wir schon bei den Geständnissen sind: Antonioni und Angelopoulos gehören mit auf meine Liste. Wer noch?
    Melde mich wieder, wenn mir noch mehr einfallen...

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  13. LA LUNE DANS LE CANIVEAU ist also kein herausragender Film?!

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  14. Er floppte. Die Vorwürfe, die er einstecken musste ("... artifizielles Melodram ... schicke Hochglanzbilder ... mangelnde gedankliche Tiefe"), bekam auch "37°2 le matin" gelegentlich zu hören. Ich sah den Film seinerzeit in einem Programmkino. Er hinterliess trotz der Schauspieler, mit denen er aufwartete, keinen bleibenden Eindruck, was "Betty Blue" aber auch nicht tat - bis ich dem Director's Cut begegnete. - Vielleicht muss man sich hier auf die Sprüche Salomos berufen: "Alles hat seine Zeit." Eindrücke können sich ändern.

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  15. Das können sie. Wobei allerdings mein Eindruck von DER MOND IN DER GOSSE so tief war, dass ich ihn höchstens noch operativ entfernen lassen könnte. Mit den biederen Kritiker-Argumenten, die die aufzählst, ist ihm gar nicht mehr beizukommen - die Lichtkreise ziehende Autofahrt von Depardieu und Kinski schwebt mindestens 500 Meter über dem Erdboden, es ist alles völlig unfassbar und so frostig poetisch, dass es einen schaudert. Sicherlich ein unheimlicher Film, aber auch ein Film voll von schönster Maßlosigkeit und herrlichstem Exzess. Solche Dekadenz abzustrafen wäre schlicht undankbar. Zumal an dem Film nun wirklich nichts Oberflächliches ist, seinen Style-Orgien zum Trotz - er ist erfüllt von tiefschürfendster (und -bohrendster) Perversität, auch fragwürdiger.

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  16. Und es gibt ihn - was ich gar nicht wusste - auch auf DVD (wobei mich das Fehlen der deutschen Sprache nicht stört). Hielt den Film im Gegensatz zum oscarnominierten "Betty Blue" für völlig vergessen und werde mir ihn gelegentlich noch einmal anschauen - obwohl es kaum zu einer Besprechung kommen wird: Es war schon schwer genug, dass was "37°2 le matin" ausmacht, halbwegs in Worte zu fassen.

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