Samstag, 28. Mai 2011

Kurzbesprechung: Life with Father


Unser Leben mit Vater
(Life with Father, USA 1947)

Regie: Michael Curtiz

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann ein sich zunehmend der moralischen Heuchelei hingebendes Hollywood zu erkennen, mit welch frivolen, verwerflichen, ja geradezu kommunistisch unterwanderten Machwerken es sein Publikum dem Teufel ausgeliefert hatte, als es dieses in den 30ern und frühen 40ern mit den erfolgreichen Screwball Comedies in die Kinosäle lockte.  Deshalb: Neue Konzepte für Komödien mussten her; und nachdem man sich eine Zeitlang noch auf lustige Weise mit dem Krieg auseinandergesetzt hatte, galt es auch das Fernsehen mit seinem familientauglichen Programm als Konkurrenten ernst zu nehmen. Also familientaugliche Komödien, an denen selbst ein Senator McCarthy, dessen "Geruch" sich schon vor seinem Antritt bemerkbar machte, nichts auszusetzen haben würde! Und was war familientauglicher als Komödien, in denen es gleich um eine ganze Familie (Vati, Mutti und eine mehr oder weniger grosse Kinderschar) ging? - So entstanden um 1950 eine ganze Reihe von Filmen,  die vielleicht als ganz nett zu bezeichnen sind, ohne je den frechen Charme einer Screwball Comedy zu erreichen: “Sitting Pretty” (1948), “Mr. Blandings Builds His Dream House” (1948), “Cheaper By the Dozen”, 1950, nicht annähernd so billig wie das “Remake” mit Steve Martin (2003). - William Wyler benutzte 1956 für seinen meisterhaften “Friendly Persuasion” sogar Elemente der “Familienkomödie”, aus denen er dann aber eine mit tragischen Wendungen versehene Geschichte über den amerikanischen Civil War formte.

Ich weiss nicht, welches die erste dieser "Familienkomödien” über eine Familie war, vermute aber, der einst gefeierte “Life with Father” sei ziemlich am Anfang gestanden. Der eher aus einzelnen Anekdoten bestehende, auf einem höchst erfolgreichen Broadwaystück basierende Film erzählt vom cholerischen rothaarigen Wall Street Broker Clarence Day, Sr., der in den 1880ern seine Familie und seine Umwelt mit mehr als fester Hand zu regieren glaubt, ohne zu bemerken, dass es sein trautes Weib Vinnie ist, das im Hintergrund die Dinge  ihren Weg gehen lässt, sich auch der Probleme der vier rothaarigen Söhne, deren ältester sich in die junge Elizabeth Taylor verliebt, dem Rat des Vaters folgend das zarte Pflänzchen aber beinahe gefährdet, annimmt.  Während Gary Cooper im erwähnten Wyler-Film jedoch die streng gläubige Quäker-Gattin gar oft hinters Licht würde führen dürfen, ist es hier die von Kritikern als “the lady Gandhi of the Screen” bezeichnete moralische Allzweck-Waffe Irene Dunne, die sich Sorgen um den ungläubigen, offenbar nie getauften Mann macht (“I don’t go to church to be preached at as though I were some lost sheep!”). - Und mit Hilfe des braven Rev. Dr. Lloyd, dessen Predigt sich auch der Zuschauer eine geschätzte Ewigkeit lang anhören darf, scheut das gottesfürchtige Ding keine Mühe, Vati mit sanfter Tyrannei auf den rechten Weg zu leiten.

William Powell, der als trinkfester Nick Charles in diversen “Thin Man”-Filmen  wahrhaft  schon bessere Zeiten gesehen hatte, aber in der Rolle des zu Selbstgesprächen neigenden und sämtliche Dienstmädchen vertreibenden Polterheinis für eine der vier Oscar-Nominierungen, die sich die Komödie holte, zuständig war, musste sich - der Production Code war am Werk! - diverse im Bühnenstück vorkommende “Damns!” verkneifen. Denn schliesslich sollte hier ein moralisches Exempel statuiert werden. - Der Film erschien in Deutschland im Rahmen einer DVD-Reihe, die den Titel “Vergessene Filmklassiker” trägt. Nun ja, vergessen ist er...

Kommentare:

  1. Tja, was man nicht alles "Klassiker" nennt. So ganz neu war das Genre in der Nachkriegszeit aber nicht. Da gab es vor allem die Andy-Hardy-Filme, mit denen MGM ab 1937 die Welt überschwemmte, und die ein Lieblingserzeugnis des stockkonservativen Louis B. Mayer waren.

    Curtiz hat auch damals noch ordentliche Filme wie THE UNSUSPECTED oder FLAMINGO ROAD abgeliefert, aber dazwischen seit jeher jede Menge Gurken.

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  2. Ich wusste es: Auf dich würde Verlass sein! Im Grunde genommen bemerkte ich nämlich nur die seltsame Häufung dieser "gemütlichen" und moralisierenden Familienkomödien um 1950, konnte aber nicht ihren Anfängen nachgehen. Was jetzt doch ein wenig peinlich ist: Ausgerechnet "The Unsuspected" wurde von mir mal ziemlich verrissen. :( - Wobei ich wenigstens den grossen Claude Rains vergötterte... - Dabei gäbe es natürlich jede Menge Klassiker von Curtiz zu besprechen. Aber ich scheine ein wenig Pech mit meiner Auswahl zu haben.

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