Samstag, 18. August 2012

Ein Senator sieht rot: durch Western-Genre und zeitgeschichtliche Paranoia in sechs Kostümen

JOHNNY GUITAR
USA 1954
Regie: Nicholas Ray
Darsteller: Joan Crawford (Vienna), Mercedes McCambridge (Emma), Sterling Hayden (Johnny Guitar), Scott Brady (Dancing Kid), Ward Bond (John McIvers)


Emma steht total auf den Dancing Kid. Der wiederum hat nur Augen für Vienna, die sich nur auf Johnny einlassen möchte. Johnny fährt ebenso auf Vienna ab, aber die beiden brauchen noch ein bisschen Zeit, um zueinander zu finden. Das Problem ist, dass Vienna dermaßen sexy ist, dass alle am liebsten mit ihr schlafen möchten. So zum Beispiel auch Turkey, der jüngste Kumpel des Dancing Kids. Möglicherweise könnte auch Emma eine gewisse Anziehung zu Vienna verspüren. Da jedoch niemand positive Gefühle oder geschlechtliche Neigungen ihr gegenüber hat, entwickelt sie sich zu einer verbitterten Intrigantin, die mithilfe ihrer düsteren und humorlosen Kumpels dafür sorgen möchte, dass gar niemand sich mit niemanden vergnügen kann.

Was bestenfalls wie eine schlechte Sitcom, schlimmstenfalls wie das Drehbuch zu einer albernen Softerotik-Komödie klingt, ist eigentlich einer der großartigsten (Anti-)Westerns aller Zeiten, ein kühnes farbdramaturgisches Filmexperiment, eine radikale Infragestellung des Western-Genres im allgemeinen und traditioneller Gender-Rollen im speziellen, und eine mächtige Anklage gegen die antikommunistische Hexenjagd McCarthy‘ischer Art. 

„Johnny Guitar“ wurde von der zeitgenössischen US-amerikanischen Kritik regelrecht verrissen: als inkonsistenter Film ohne jegliche spannende Handlung und mit grässlichen Darstellern. Besonders Joan Crawford bekam dabei ihr Fett weg. Französische Filmkritiker hingegen konnten sich vor lauter überschäumender Begeisterung für „Johnny Guitar“ kaum halten. Für die späteren nouvelle vague-Regisseure François Truffaut und Jean-Luc Godard war Nicholas Rays Western ein ikonischer Kultfilm, den man unbedingt in den eigenen Filmen augenzwinkernd zitieren musste. Während Truffaut von einem filmischen „Delirium“ sprach, von einem „Die Schöne und das Biest des Westerns“, erklärte Godard Nicholas Ray geradezu zum Filmgott. Amerikanischen Filmkritiker (und auch Regisseure) zogen, wenngleich ohne große Superlative, später nach und würdigten „Johnny Guitar“ als eines der außergewöhnlichsten Werke der Filmgeschichte. Truffauts „Delirium“-Metapher sowie ähnliche Bezeichnungen werden immer wieder gerne verwendet: „weird“, „bizzare“, „madhouse“, ...

Auch wenn François und Jean-Luc nicht immer überall recht hatten, so demonstriert Rays Werk, wie Stil und Subtext einen trivialen Genre-Film mit einer banalen Handlung zu großer Kunst erheben können. Das Drehbuch ist in der Tat scheinbar banal: Vienna (Joan Crawford) hat sich am Rande einer Kleinstadt mit ihren Ersparnissen ein Saloon aufgebaut. Sie wartet darauf, dass eine geplante Eisenbahnstrecke vor ihrer Tür gebaut wird und mehr Kunden bringt. Mit ihrer unabhängigen Art ist die Wirtin ein Dorn im Auge der Stadtnotablen. Besonders Emma Small (Mercedes McCambridge) hasst die starke und selbstbewusste Vienna und will sie aus der Stadt drängen. Als eine Postkutsche überfallen wird, beschuldigt Emma die Gang um den Dancing Kid (Scott Brady), die regelmäßig bei Vienna einkehrt. Sie überzeugt Marschall McIvers (Ward Bond), den Dancing Kid und seine Bande zu verbannen und den Saloon zu schließen. Als Vienna am nächsten morgen in der Stadt ihr Sparkonto schließen möchte, wird die Bank vom Dancing Kid und co. überfallen: sie wollen sich mit einem wirklichen Verbrechen für die unrechtmäßig ausgesprochene Verbannung rächen. Emma sieht nun die Gelegenheit, um mit Vienna endgültig abzurechnen und versammelt einen Lynch-Mob zu ihrem Saloon...

Und der von Sterling Hayden gespielte Titelgeber selbst? Die Johnny Guitar-Figur ist dramaturgisch (wenngleich nicht symbolisch) relativ unbedeutend, genauso wie alle anderen männlichen Figuren. Nicht umsonst ging der Kultfilm in die Geschichte ein als „revisionistischer“ Frauen-Western, der mit großer Freude traditionelle Gender-Rollen brachial ins Umgekehrte drehte. Vienna ist eine „paternalistische“ Matriarchin: eine selbstbewusste Kleinunternehmerin, die ihre größtenteils männliche Umgebung vollends im Griff hat - angefangen bei ihren Angestellten, von denen einer zu Beginn beichtet: „Never seen a woman who was more of a man. She thinks like one, acts like one, and sometimes makes me feel like I‘m not.“ Manch zeitgenössischer Filmkritiker warf Joan Crawford völlig zu unrecht vor, asexuiert zu spielen. Der gute Mann ging wohl eher von seinen eigenen Problemen aus, denn Vienna ist Sex-Appeal in reiner Form. Roger Ebert traf den Punkt schon eher, wenn er andeutete, dass die Vienna-Figur im ersten Akt, mit ihren engen dunklen Hosen und Lederstiefeln und der umgegurteten Pistole wie eine Domina aus einem zeitgenössischen Fetisch-Pornoheft aussah, die sich in einen Western verirrt habe. Das erklärt auch, warum mindestens drei männliche Film-Figuren Vienna begehren, ganz besonders, wenn sie im wörtlichen Sinne „die Hosen anhat“. Gerade wenn sie „Männer“-Kleidung trägt, ist ihr Sex-Appeal völlig ungezügelt. Vienna ist sich sehr wohl der Gender-Problematik bewusst, wenn sie Johnny aufgebracht mitteilt: „A man can lie, steal, and even kill. But as long as he hangs on to his pride, he‘s still a man. All a woman has to do is slip once. And she‘s a tramp. Must be a great comfort to you to be a man.“

Emma ist hingegen in vielerlei Hinsicht das Gegenteil: eine verbitterte und verklemmte „alte“ Jungfer, die keiner begehren will. Sie ist ohne jeglichen Sex-Appeal: kreischt ununterbrochen hysterisch, geifert Verachtung und Hass. Außerdem versagt ihr Ray das Tragen von sexy Hosen: nur im ersten Akt darf sie sich ein wenig farbig gekleidet zeigen. Während des restlichen Films versprüht sie ihr Gift in einem Kleid, dessen schwarze Farbe und weiter Schnitt alle Körperformen verhüllt.

Und ganz offensichtlich ist Emma zutiefst sadistisch veranlagt - sowohl metaphorisch wie auch in einem ganz wörtlichen, sexuellen Sinne. Erregt ist sie im Zusammenhang mit graphischen Gewaltandrohungen und tatsächlich ausgeübter physischer Gewalt, sei es gegen den Dancing Kid, gegen seine Kumpanen oder gegen Vienna. Zum Flirten ist sie  hingegen gänzlich unfähig. In einem der zahlreichen unglaublichen Momente des Films beweist Johnny Guitar dem Dancing Kid, dass er tatsächlich spielen kann, indem er ein Lied anstimmt. Der Dancing Kid zeigt dem „Guitar Man“, dass er wirklich tanzen kann, indem er sich kurzerhand Emma schnappt und mit ihr einige Runden durch Viennas Saloon dreht. Emma ist dermaßen fassungslos, dass sie darauf nicht reagieren kann und nach dem Tänzchen blickt sie, als hätte der Dancing Kid sie vor der ganzen Versammlung vergewaltigt, mindestens aber unsittlich angefasst. Sie erholt sich aber rasch und keift anschließend Vienna und Johnny Guitar umso aggressiver an.

Worin sie Vienna durchaus gleicht ist, hingegen ihre autoritäre Dominanz gegenüber der rein männlichen Umgebung: es ist ihr extremistischer Aktivismus, der sie zur unumstrittenen Chefin des Lynch-Mobs macht, genauso wie Vienna sich mit ihrem resoluten Auftreten als geistige Führerin der sozialen Außenseiter behauptet. Manch Filmkritiker sieht auch eine noch engere Verbindung zwischen Emma und Vienna und interpretieren die Figur Mercedes McCambridges als „closet lesbian“. Eine durchaus diskutable These, die zumindest durch die obsessive Fixierung Emmas auf Vienna (und ihre Zerstörung) eine gewisse Grundlage hat.

Viel eindeutiger ist jedoch was anderes. Emma ist eigentlich ein Senator aus Wisconsin. Emma Small ist Joseph McCarthy! Denn mehr als eine Gender-Groteske ist „Johnny Guitar“ auch ein politisches Manifest. Diese Beschäftigung mit den antikommunistischen Hexenjagden der späten 1940er und frühen 1950er Jahre ist aufgrund ihrer Offensichtlichkeit schon gar nicht mehr als Subtext zu bezeichnen, sondern bildet den eigentlichen Kern des Films. Noch einmal zur Story: eine Gruppe „respektabler“ Bürger, die sich auf Seite des Gesetzes wähnt, tritt eine geradezu irrationale und rücksichtslose Hetzjagd gegen soziale Außenseiter los, denen man im rechtsstaatlichen Sinne nichts vorzuwerfen hat.

Das Problem ist dabei nicht nur, dass die Beschuldigungen irrational, absurd und durchweg paranoid sind: ob der Dancing Kid und seine Gang-Kollegen tatsächlich zu Beginn des Films die Postkutsche ausgeraubt haben, bleibt unklar und ist letztlich irrelevant. Vielmehr ist das Urteil schon à priori festgelegt worden: Die Unschuldsvermutung wird aufgehoben und Indizien kann man mit viel Phantasie in „Beweise“ uminterpretieren. So hat der offensichtlich noch unter Schock stehende Fuhrmann der ausgeraubten Kutsche aufgrund des Sonnenstands die Räuber nicht genau sehen können. Emma und McIvers brüllen ihn so lange an, bis er „zugibt“, dass es vier Männer waren: es „musste“ sich also um den Dancing Kid und seine drei Kollegen handeln.

Vienna hingegen macht sich nur durch die Tatsache verdächtig, dass die Dancing-Kid-Bande jeden Freitag Abend in ihr Lokal einkehrt. Das ist der Grund, warum die unentschlossenen „respektablen“ Männer Emma folgen. Johnny Guitar ist hingegen per se verdächtig, weil er ein unbekannter Fremder ist. Dass er keine Waffe trägt, macht ihn noch verdächtiger (vielleicht habe er die Kutsche ja überfallen und dann die Waffen beseitigt). Seine Begründung für die Waffenlosigkeit - „Because I‘m not the fastest draw West of the Pecos“ - bringt Vienna und Dancing Kid & Co. zum lachen. Das wiederum bringt Emma auf die Palme: die Gesetzeslosen würden McIvers auslachen.

In nicht einmal einer Viertelstunde entlarven Nicholas Ray und Drehbuchautor Ben Maddow die Mechanismen der Kommunistenjagd. Das „House Committee on Un-American Activities“ (HCUA), ursprünglich zur Untersuchung faschistischer Gruppierungen gegründet, wurde ab Ende des Weltkriegs von rechten Republikanern zum Hauptorgan der Kommunistenjagd umfunktioniert. Sie diente vor allem der radikalen Abrechnung mit der New-Deal-Ära. Hollywood war dabei eine besonders öffentlichkeitswirksame Zielscheibe. Der HCUA arbeitete mit wilden Beschuldigungen, Anprangerungen und Beweisumkehrungen. Geladene Zeugen, die sich als „unfreundlich“ erwiesen und sich auf die Verfassung beriefen, wurden wegen Missachtung („Auslachen“) des Abgeordnetenhauses zu Gefängnisstrafen verurteilt, darunter die berühmten „Hollywood Ten“. Und wenn das Komitee selbst keine Strafen aussprach: „respektable“ Bürgerversammlungen (die Studios und „freundliche“ Zeugen) konnten dank schwarzer Listen faktische Berufsverbote aussprechen oder die Angeklagten noch etwas mehr durch den Dreck ziehen.
Das Komitee für unamerikanische Umtriebe (als Lynch-Mob getarnt)
McIvers verbannt den Dancing Kid und seine Bande administrativ und schließt Viennas Saloon. Für Emma ist dies jedoch nicht genug. Der Lynch-Mob versammelt sich am nächsten Abend wieder bei Vienna, die in der Zwischenzeit den Jüngsten der Dancing-Kid-Bande, Turkey, bei sich versteckt hält. Vienna weigert sich, über den Aufenthaltsort der anderen auszusagen. Als Turkey entdeckt wird, zwingen ihn Emma und McIvers dazu, gegen Vienna auszusagen. Von der Aussicht gelockt, nicht an den Galgen zu kommen, schwärzt er sie als Anstifterin an. Emma brennt das Saloon nieder und der Mob macht sich auf, um Turkey und Vienna unter der nächsten Brücke zu erhängen.
Dieser Höhepunkt des zweiten Akts macht dem Ruf des Films als „halluzinatorisches“, „bizarres“ Werk alle Ehre (siehe einen Teil dieser atemberaubend inszenierten Szene hier), thematisiert aber auch eines der meist diskutierten Komplexe der antikommunistischen Hexenjagd Hollywoods: das Denunzieren von Kollegen („naming names“). Da der HCUA die Namen aktueller oder ehemaliger Mitglieder der Kommunistischen Partei so oder so schon kannte, hatten die Denunziationen oberflächlich keinen Zweck, schafften es aber erfolgreich, die Solidarität progressiver und linker Kreise zu untergraben. Die Bandbreite an persönlichen Motivationen für die Aussagen vor dem HCUA ist groß: zwischen fanatischen, begeisterten Kommunistenjägern auf der einen und verzweifelten „blacklistees“, die durch Denunziation hofften, wieder Arbeit in Hollywood zu bekommen, auf der anderen Seite. Turkey gehört zweifelsohne zu den letzteren: schließlich ist er auf fast schwärmerische Weise in Vienna verliebt.

Auch Sterling Hayden gehört tendenziell in die letztere Kategorie. Hayden war kurzfristig Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen. Beigetreten war er aus Bewunderung für die jugoslawischen Partisanen, an deren Seite er als US-Soldat im Weltkrieg gekämpft hatte. Als nach „The Asphalt Jungle“ Angebote ausblieben, vermutete er, dass er auf eine schwarze Liste geraten war. Er bot sich daraufhin als „freundlicher“ Zeuge an und „nannte Namen“. Diese Tat bereute Hayden fortan. Sie trieb ihn in lebenslangen Selbsthass (und wahrscheinlich auch in den Alkoholismus). Auch sein Filmcharakter nennt einen Namen: seinen eigenen (Johnny Logan). Dass Namen wie „Johnny Guitar“ oder „Dancing Kid“ eigentlich völlig bescheuert sind, darin sind sich bis auf die zwei Betroffenen alle einig. Die symbolische Bedeutung liegt jedoch auf der Hand.

Der eigentliche (!) Drehbuchautor von „Johnny Guitar“, Ben Maddow, blieb hingegen jahrelang auf der schwarzen Liste. Der offizielle Szenarist Philip Yordan hatte lediglich seinen Namen zu den Credits beigetragen. Als engagierter Linker hätte eigentlich auch Nicholas Ray „geschwarzlistet“ werden müssen, zumal er schon - freilich etwas untergründiger und subtiler - in früheren Filmen die Kommunistenjagd thematisiert hatte. Die persönliche Protektion des RKO-Chefs Howard Hughes (ironischerweise ein paranoider Anti-Kommunist) bewahrte ihn wohl vor der Knochenmühle.

Außerordentlich merkwürdig war jedoch die Beteiligung von Ward Bond, einem Mitglied der „Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals“. Dieser 1944 gegründete Verband rechter konservativer Hollywood-Leute unterstützte voll und ganz die Hexenjagd des HCUA, und stellte gerne „freundliche“ Zeugen zur Verfügung, um Hollywood vor der kommunistischen Infiltration zu retten. Selbst sein bester Kumpel John Wayne hielt Bond für einen radikalen Fanatiker. Dass er ausgerechnet den Marschall McIvers spielt, der dem Lynch-Mob einen Schein von Legitimität verleiht, lässt einen ziemlich sprachlos. Trotz des „halluzinatorischen“ Charakters von „Johnny Guitar“ war die Realität hier fast noch unglaublicher als die Fiktion selbst - wenngleich nicht in solch exquisiten Bildern festgehalten.

Gerade die Farbdramaturgie ist ein dermaßen zentrales Element des Films, dass sie ihn sogar präzise gliedert. Sechs Kostüme in ganz bestimmten Farbgebungen teilen „Johnny Guitar“ in genau sechs Abschnitte, die paarweise jeweils einen Akt darstellen. Hier die Einteilung, nach den sechs (sichtbaren) Facetten der Vienna-Figur benannt.

I. Akt
Autorität (Schwarze Lederstiefeln, dunkelbraune Hose und schwarzes Hemd mit türkis-farbener Hals-Schleife): Einführung der Charaktere und ihrer Konflikte. Vienna als matriarchalische, dominante Saloon-Besitzerin.
Begierde (Purpurnes Kleid mit dunkelrotem Umhang): Neben-Story um die vergangene und künftige Liebe zwischen Vienna und Johnny. Vienna als liebende Frau.
II. Akt
Sehnsucht (Graues Alltags-Kleid mit roter Hals-Schleife): Vienna sehnt sich nach einem bürgerlichen Leben mit Johnny und fährt zur Bank, um ihr Konto aufzulösen (wo der Überfall des Dancing Kid stattfindet). Vienna als respektable Bürgerin.
Unschuld (Weißes, teils durchsichtiges Ball-Kleid mit dünner schwarzer Hals-Schleife): Vienna hofft darauf, ihren Saloon zumindest als Wohnung beizubehalten und wird von Emmas Lynch-Mob (ganz in schwarz gekleidet) überfallen. Vienna als unschuldige Kulturbürgerin und Mutter Pieta.
III. Akt
Flucht (Knallrotes Hemd mit blauer Hose): Vienna ist dem Lynch-Mob entkommen. Ihr Saloon und ihr weißes Kleid sind verbrannt und sie flieht zusammen mit Johnny zum Versteck des Dancing Kid. Vienna als Flüchtling.
Rache (Knallgelbes Hemd mit roter Schleife und schwarzer Hose): Vienna bereitet sich mit Johnny und dem Dancing Kid auf den Showdown gegen Emma und ihrem Mob vor. Vienna als zorniger Rache-Engel.
Das Setdesign von „Johnny Guitar“ meistert hingegen eine Gratwanderung zwischen kargem Minimalismus, barocker Überfrachtung und überdrehter Stilisierung. Spuren von„Realismus“ findet man nicht einmal mit der Lupe. Teilweise wirkt das Set geradezu schäbig und sieht nicht wie das Innere eines Saloons, einer Bank oder einer Berghütte aus, sondern eben wie eine billige Kulisse. Was teilweise noch heute bemängelt wird, verstärkt jedoch gerade auch die surreale Stimmung des Films. Viennas Saloon ähnelt auch schon vor der „offiziellen“ Schließung mehr einer Berghöhle, in der ein Eisenbahn- und Kutschenmodell-Fetischist seinen Hobbyraum eingerichtet hat. Natürlich versinnbildlicht dies Viennas Hoffnung auf jene Verkehrsmittel, die mehr Kunden an die permanent leeren Roulettentische bringen soll. Es ist jedoch nicht logisch erklärbar, warum der Saloon so aussieht, als wäre er an einem Stück Fels angebaut worden, so dass ein Teil der Wand keine Wand ist, sondern braune Gestein-Struktur. Wenn Vienna davor in ihrem weißen Ball-Kleid am Klavier sitzt, sieht es auf jeden Fall umso surrealer aus, während Johnny mit seiner Wildlederjacke in dieser Umgebung fast verschwindet.


Diese magische „halluzinatorische“ Wirkung könnte der Film selbstverständlich nicht entwickeln, wenn irgendeine der Figuren auch nur annähernd wie ein normaler Mensch spräche oder sich verhielte. Das völlig überdrehte Overacting, besonders der beiden Hauptdarstellerinnen, aber auch die stilisierten und geradezu poetischen Dialoge würden in einem anderen Kontext lächerlich wirken. Für Leute, die den Film nicht mögen, wirken diese Elemente tatsächlich lächerlich.

„Johnny Guitar“ ist also mehr als nur die Summe seiner Teile. Aber wie magisch sind schon die Teile an sich! Wenn Vienna ohne mit der Wimper zu zucken Rühreier zubereitet, während Dancing Kid und Johnny nur ganz kurz davor sind, sich gegenseitig umzubringen. Wenn Johnny und Vienna sich über die Gefährlichkeit Emmas und ihrer Kumpanen vor einem Sonnenuntergang unterhalten, der wie gemalt aussieht (weil er es vielleicht auch ist!). Wenn man merkt, dass der Lynchmob auf der Suche nach dem Dancing Kid sich beim Reiten die schwarze Kleidung mit braunem Schmutz eingesaut hat. Vienna am Piano. Und dieser Shootdown zwischen Vienna und Emma...

Hinweis:
Mit den bescheuerten Verleihtitel-Zusätzen à la „Wenn Frauen hassen“ oder „Gehasst, gejagt, gefürchtet“ ist „Johnny Guitar“ auch in Deutschland relativ kostengünstig zu erwerben. Üblicherweise noch kostengünstiger ist die UK-DVD, auf deren Sichtung sich die Besprechung stützt.

Kommentare:

  1. Was für ein Western-Einstand bei "Whoknows Presents"! - Ich sah "Johnny Guitar" erstmals als Kind in Schwarzweiss und war ziemlich enttäuscht von dem Western, der so gar nicht in meine Vorstellungen des Genres passte. Erst eine erneute Begegnung in diesem eigenartigen "Truecolor", auf dessen Bedeutung zum Beispiel für die Kostüme du ja zu sprechen kommst, zog mich vollends in ihren Bann.

    Dabei interessierte mich natürlich vor allem der Umstand, dass Joan Crawford ihre Hosenrolle, die für Mitglieder des "Sewing Circle" wie ein unabdingbarer Aufstand wirkte, bekommen hatte, und sich dennoch abschätzig über den Film äusserte. Liess sie, doch auch eine Linke, sich derart von den Verrissen beeinflussen?

    Ich bin dir sehr dankbar, dass du detailliert auf die mutigen und mehr als offensichtlichen Anspielungen auf McCarthy's Hexenjagd eingehst. Mutig schon deshalb, weil Nicholas Ray selber dem angehörte, was damals als "linksradikale Kreise" bezeichnet wurde - und statt der Denunzierung unverhohlen den Aufstand wagte (er blieb ja auch für den Rest seiner eher traurig endenden Karriere ein politisch engagierter Regisseur und drehte mit "King of Kings", 1961, die wohl am meisten politisch motivierte Leidensgeschichte Christi). - An Sterling Hayden zeigt sich, wie du erläuterst, was aus Leuten wurde, die mit dem Gedanken, Verräter zu sein, leben mussten - eine schwere Schuld, die eigentlich an den feigen Studiobossen hätte haften bleiben müssen, was auch heute noch nicht oft genug betont wird. --- Es ist tatsächlich faszinierend, dass Nicholas Ray ausgerechnet in Hughes einen Protektor fand. Die Zeit steckt voller Widersprüche.

    Vielen Dank für diese wirklich spannende Besprechung von "Johnny Guitar" und des Kontexts, in dem er steht. Ich möchte gelegentlich auch über einen Film schreiben, der von einem - allerdings vorher böse bearbeiteten - Denunzianten gedreht wurde und entsprechend betonte, dass man von ihm auch nicht einen Hauch USA-Kritik erwarten dürfe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. „Johnny Guitar“ in Schwarzweiss zu sehen muss tatsächlich eine ziemlich fürchterliche Sache sein!
      Interessant ist, dass die liberale Crawford tatsächlich eine Liaison mit der ultrakonservativen Barbara Stanwyck hatte (einer Vereinskollegin Ward Bonds im „Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals“!). Das hinderte sie aber nicht daran, bis zu ihrem Tode Fotos von Stanwyck in ihrer Wohnung verteilt zu haben... Ihre eigene Hosenrolle hatte die Stanwyck Samuel Fullers „Forty Guns“, ein Western, der fast genauso "durchgeknallt" ist wie "Johnny Guitar" und der ebenso eine eigene Besprechung Wert wäre.
      Im gleichen Jahr wie „Johnny Guitar“ erschien ein anderer Western, in dem die Kommunistenjagd mit noch weniger „Codierung“ thematisiert wurde: „Silver Lode“. Es geht um einen respektablen Bürger, der während seiner Hochzeit von einem Marschall McCarty (sic!) des Raubes und des Mordes angeklagt wird. Das ganze eskaliert ebenfalls in Hetzkampagne und Lynch-Stimmung. Ein B-Film des B-Regisseurs Allan Dwan, den Martin Scorsese in seiner Vierstunden-Doku zum amerikanischen Film (die ja auch mein Interesse für Ray geweckt hat) als solide und effizient inszeniert gelobt hat.
      „King of Kings“ sei hiermit ebenfalls auf meiner To-Do-Liste verzeichnet!
      Auf deine „Denunzianten“-Besprechung bin ich gespannt. Handelt es sich zufälligerweise um den Regisseur mit dem ukrainischen Namen?

      Löschen
    2. Handelt es sich zufälligerweise um den Regisseur mit dem ukrainischen Namen?

      Du hast mich ertappt. Es handelt sich aber um eine Sache, die erst als ferner Wunsch besteht (will heissen: Die DVD wurde im Schrank unter "zur Besprechung vorgesehen" abgelegt). Vorher sollte ich mich endlich hinter die drei Dinger klemmen, die sich noch nicht in der Pipeline befinden, aber fest eingeplant sind. :(

      Das mit der Beziehung zu einer politsch völlig anders denkenden Frau ist tatsächlich ein seltsames Phänomen (später auch in Schwulengruppen festzustellen) und zeigt, dass die Bände innerhalb des Sewing Circle offenbar stärker waren als die Politik. - Bette Davis wiederum scheint, obwohl mit Vergnügen Schwulen-Ikone, grundsätzlich ihre Probleme mit Lesben und bisexuellen Frauen gehabt zu haben. Sie war ja im Umgang insbesondere mit Kolleginnen allgemein nicht zimperlich; es erstaunt jedoch, welch harsche Worte sie für die allgemein zugängliche Stanwyck übrig hatte, mit der sie in einem einzigen Film in den 30ern zusammen auftrat. Und über die Tragödie, die sich hinter den Kulissen von "What Ever Happened to Baby Jane" (1962) abspielte, muss ich mich ja nicht näher auslassen (Zurückschicken der vielen kleinen Geschenke der Crawford etc.). Man muss heutzutage nicht mehr schwul sein, um über sie Bescheid zu wissen. :D

      Übrigens verdarb mir die Stanwyck meine kindlichen Sonntagabende in einer weiteren Hosenrolle, die sie nach dem frühen Ende ihrer Kinokarriere eine ganze Serie hindurch absolvieren durfte: "Big Valley".

      Löschen
    3. Ihre eigene Hosenrolle hatte die Stanwyck Samuel Fullers „Forty Guns“, ein Western, der fast genauso "durchgeknallt" ist wie "Johnny Guitar" und der ebenso eine eigene Besprechung Wert wäre.

      Fehlt dann nur noch Fritz Langs RANCHO NOTORIOUS mit Marlene Dietrich in einer partiellen Hosenrolle, um die schrägen Frauenwestern der 50er Jahre zu komplettieren. (Als unglamouröses Gegenstück hätten wir William Wellmans KARAWANE DER FRAUEN.)

      Übrigens verdarb mir die Stanwyck meine kindlichen Sonntagabende in einer weiteren Hosenrolle, die sie nach dem frühen Ende ihrer Kinokarriere eine ganze Serie hindurch absolvieren durfte: "Big Valley".

      Whoknows, jetzt bist Du ertappt: Du warst ein Fan der Männerwirtschaft in BONANZA!

      Löschen
    4. Ich gebs ja zu, dass ich kurzfristig in Little Joe verliebt war, verehrter Admin. Aber mit der Zeit ärgerte ich mich wirklich über alle diese ZDF-Serien, die mir den Sonntag verdarben, grün und blau. Und als dann noch wöchentlich dieses "Gute Nacht, John-Boy!" erklang, begann ich fleissig ein Mozart-Rondo zu perfektionieren - besonders, was die Lautstärke betraf. :D

      "Rancho Notorious" wird tatsächlich zu Unrecht oft vergessen. Ich frage mich aber schon die längste Zeit, ob die Dietrich in "Morocco" (1930), wo sie sogar eine Frau küsste (!), und die Garbo in "Queen Christina" (1933) als erste Mitglieder des Sewing Circle im Film Hosen trugen?

      Löschen
  2. Eine tolle Besprechung dieses bemerkenswerten Films, der wirklich viele Facetten bietet. Vor allem das Aufdröseln der Farbdramaturgie finde ich bemerkenswert, während der McCarthy-Aspekt tatsächlich so offensichtlich ist, dass er sozusagen Mainstream in der JOHNNY-GUITAR-Interpretation ist.

    Nicholas Ray war wirklich ein schillernder Regisseur und der richtige Mann für einen solchen Film. Von seinen sonstigen Filmen, die ich kenne, kommt JOHNNY GUITAR vielleicht der auch recht flirrende PARTY GIRL am nächsten.

    Was Howard Hughes betrifft, der war natürlich selbst ein schillernder und widersprüchlicher Charakter. Natürlich stramm konservativ und antikommunistisch, hat er nach seiner Machtübernahme bei RKO sogar Filmprojekte gestoppt, wenn ihm deren konservative ideologische Ausrichtung nicht deutlich genug erschien. Andererseits hatte er aber auch eine Abneigung gegen Autoritäten in Hollywood und Washington. Seine Verachtung für die Zensoren um Will Hays und Joe Breen war sprichwörtlich und gipfelte in der absonderlichen Produktionsgeschichte von THE OUTLAW, in der Jane Russels BH nur ein kleines Detail ist. Und 1947 gab es einen Untersuchungsausschuss des Senats, der die fragwürdigen Praktiken von Hughes' Flugzeugwerken im 2. Weltkrieg unter die Lupe nahm, und aus dem er sich nur mühsam herauswinden konnte. Vielleicht übertrug Hughes den Hass auf "seinen" Senatsausschuss bewusst oder unbewusst auf das vom Repräsentantenhaus gestellten HUAC (die Abkürzung ist gebräuchlicher als HCUA), das ebenfalls 1947 zum ersten Mal in Hollywood ermittelte.

    Wegen Überlänge (Google erlaubt nur poplige 4096 Zeichen) Fortsetzung in einem weiteren Kommentar.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Google hat also auch Überlängen-Zuschlag? Die Ausbeuter ;-)
      Ray und Hughes waren zwar politisch völlig unterschiedlich gepolt, hatten aber wohl auf persönlicher Ebene einen freundschaftlichen Umgang. Die Erfahrung, - wenngleich in anderer Angelegenheit - selbst als „unfreundlicher“ Zeuge geladen worden zu sein, könnte hier aber auch eine Rolle spielen.
      Grundsätzlich verhielten sich aber die Loyalitäten zum HUAC und zum Production Code nicht automatisch proportional - siehe Elia Kazan.

      Löschen
  3. Einen leisen Zweifel möchte ich anmelden, was die Rollen von Philip Yordan und Ben Maddow betrifft. Yordan war eine weitere schillernde Figur, die offenbar regelmäßig andere Autoren für sich schreiben ließ, um dann selbst die Credits einzuheimsen. Maddow soll sogar behauptet haben, dass Yordan überhaupt keine Zeile selbst zu Papier bringen konnte. Aber aufgrund der Zeitumstände, die schriftliche Verträge über solche "Arbeitsgemenschaften" und sonstige handfeste Beweise rar machte, ist oft unklar, wer was geschrieben hat. Es ist unbestritten, dass Yordan mehrfach seinen Namen für von Maddow geschriebene Drehbücher zur Verfügung stellte (und dann wohl ungefähr die Hälfte des Honorars kassierte), aber gerade bei JOHNNY GUITAR scheint die Lage unklar zu sein. Hier kann man lesen, dass Maddow immer behauptet habe, er könne sich überhaupt nicht daran erinnern, an JOHNNY GUITAR gearbeitet zu haben, während Yordan schwor, das Drehbuch selbst geschrieben zu haben. Letzteres wird im Hembus'schen Westernlexikon bekräftigt, wo Maddow in Bezug auf JOHNNY GUITAR überhaupt nicht vorkommt. Dagegen wird Yordan ausgiebig zitiert, aus einem Artikel oder Interview in Cahiers du cinéma. Und darin erwähnt er (angebliche?) Details seiner Zusammenarbeit mit Ray, die soweit glaubwürdig klingen. Hm. Irgendwie passt das alles nicht zusammen.

    Im selben Text (wenn er denn vertrauenswürdig ist) wirft Yordan auch etwas Licht auf die von Dir angesprochene Frage nach Ward Bond. Die Stelle ist so schön, dass ich sie wörtlich zitiere:

    "Wir haben Ward Bond einen schönen Streich gespielt. Er war ja der größte Faschist von ganz Hollywood. Wir haben ihn den Chef der Miliz spielen lassen, einen faszinierenden Extremisten und Vertreter der Gewaltherrschaft. Er selbst hat freilich geglaubt, dieser Mann sei ein Held, ein sympathischer Bürger! Er hat überhaupt nichts kapiert."

    Unabhängig davon, ob nun Ben Maddow der tatsächliche und alleinige Autor des Films ist, ist es eine bittere Ironie, dass Maddow 1958 selbst als freundlicher Zeuge vor dem HUAC aussagte und Namen nannte. Ohne äußeren Zwang, sondern weil er es anscheinend nicht mehr ertragen konnte, als Autor ungenannt im Schatten zu stehen (er hatte deshalb wohl auch Depressionen entwickelt). Als Gegenleistung für seine Aussage ließ er sich offenbar schon im Vorhinein seine Streichung von der Schwarzen Liste zusagen. Maddow hat später behauptet, er habe nur Namen genannt, die schon auf der Schwarzen Liste standen, aber das wurde von anderen angezweifelt. Hier kann man die Geschichte nochmal nachlesen. Unberührt von allen Unklarheiten um Maddow und Yordan hat Whoknows natürlich damit recht, dass neben den reaktionären Politikern vor allem die Studiobosse die Schuldigen an der Malaise der Schwarzen Listen waren.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Link im ersten Absatz ist zumindest bei mir nicht aufrufbar (lädt im Leerlauf).
      Vielen Dank für die Informationen und den interessanten Link zu Maddow (der hingegen funktioniert).
      Das Zitat zu Bond ist in der Tat herrlich. Hier stellt sich wirklich die Frage, ob wir aus heutiger Perspektive und als Zuschauer den Subtext klarer sehen als die Beteiligten damals? Oder ob Bond, der ja niemals ein wirklich großer Hauptrollenstar war, einfach die Angebote, die man ihm machte, relativ wahllos annahm? Andererseits hatte er mit Ray schon in „On A Dangerous Ground“ zusammengearbeitet. Und in 25 Filmen von John Ford und in Filmen von Frank Capra mitgespielt... „Man beisst halt nicht die Hand, die einen füttert.“

      Löschen
    2. Wie ich auch erst jetzt bemerke, funktioniert der erste Link nur, wenn man Cookies zulässt - warum auch immer (ich hasse sowas, aber was soll man machen).

      Löschen
  4. Sehr schön übrigens. Aber ich habe inzwischen Angst... Hast du dir dies selbst ausgedacht oder wieder aus Büchern abgeschrieben? Seit dem Zauberer von Oz traue ich dir da nicht mehr :P

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hätte eher Angst davor, dass Mercedes McCambridge kommt, um mich am nächsten Baum aufzuhängen... Beim "Zauberer von Oz" habe ich nicht "aus Büchern abgeschrieben", sondern mich von einem Zeitschriften-Aufsatz inspirieren lassen (und von einem früheren Powi-Seminar).
      Sowohl die feministische (und lesbische) wie besonders auch die politische Interpretation von "Johnny Guitar" findest du in vielen Kritiken, zumal gerade der politische Aspekt kaum als "subtextual" zu bezeichnen ist. Dass der Film eine ziemlich spezielle Farbdramaturgie aufweist, ist mir ebenfalls nicht als erster aufgefallen. Man muss auch kein Hellseher sein, um zu merken, dass die Darsteller spielen, als würden sie auf Speed Gedichte rezitieren. Dass Emmas Sadismus der Kompensation sexueller Frustration dient, habe ich zwar noch nie gelesen, aber irgendwie liegt diese Interpretation auf der Hand.
      Das sind ja alles Punkte, die ziemlich offensichtlich sind. Also habe ich, auf meine ganz eigene Weise, über das Offensichtliche geschrieben :-b
      Und ich habe gerade gemerkt, dass mein vor einem Jahr geplanter und vollmundig versprochene Text "Visionen der Apokalypse im spätsowjetischen Kino" noch nicht mal auf meiner langen Ideen-Liste steht... Alte Kommentare von alten Beiträgen zu lesen kann ganz lohnend sein!

      Löschen
    2. Vielleicht ist es auch einfach so, dass vannorden seinen Frust an dir auslässt, weil er keine Freundin findet... :P

      Löschen
  5. Sind wir auf Facebook befreundet? Oder woher weißt du das? Du machst mir Angst! :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Solche Dinge spüre ich mit einem nur mir gegebenen Sinn. Ich schlug Mutti heute auch vor, unsere Wochenend-Einkäufe schon am Morgen zu erledigen, weil es am Nachmittag und am Freitag regnen würde. Sie rutscht jetzt gerade auf den Knien in meinem Zimmer herum und betet mich an.

      Sollte mit meiner Gabe eigentlich Geld verdienen. ;) Diverse Politiker würden mich aufsuchen, weil sie wissen möchten, wie ihre Zukunft ausschaut. Aber ich käme nie auf die Idee, Angela die traurige Wahrheit zu erzählen.

      Löschen
  6. Uff. Schöne Besprechung. Habe den Film erst vor 2 Monaten das erste Mal geschaut. Muss dazu sagen, dass mir die Farbdramaturgie gar nicht aufgefallen ist beim ersten Mal - vielleicht war es irgendwo in den Tiefen des Unterbewusstseins, aber wahrgenommen hab ich es nicht. Bis auf die billige Schwarz und Weiß-Gegenüberstellung (Unschuld) und das violettfarbene Kleid (Begierde) natürlich. Ich kann mir das aber entschuldigen, da mich die Farben des gesamten Films fesseln konnten, und ich ständig den Begriff "Anti-Realismus" im Kopf hatte, also voll und ganz hypnotisiert war.

    AntwortenLöschen
  7. "Hypnotisieren" klingt zwar unglaublich kitschig, trifft aber im Grunde sehr genau das Gefühl, das man bei der Sichtung haben kann. Welch unbeschreibliches Grauen muss es für Whoknows gewesen sein, diesen Film in Schwarzweiss zu sehen!
    Ein Screenshot, der nicht mehr reingepasst hat, zeigt Johnny Guitar, wie er mit seiner Wildlederjacke fast konturlos vor der braunen Wand "verschwindet"... Ach... was für ein Film!

    AntwortenLöschen