Samstag, 9. Oktober 2010

Kurzbesprechung: El crimen del padre Amaro


Die Versuchung des Padre Amaro
(El crimen del padre Amaro, Mexiko 2002)

Regie: Carlos Carrera

Die Überarbeitung eines Romans aus dem Jahre 1875 (!) für die Leinwand rief heftige Proteste aus klerikalen Kreisen hervor und avancierte wohl nicht zuletzt deshalb zum erfolgreichsten einheimischen Film aller Zeiten. Dies dürften auch die Gründe für eine Oscar-Nominierung als "bester fremdsprachiger Film"  2003 gewesen sein.  Denn die edel bebilderte und eigentlich hervorragend gespielte  Geschichte eines jungen idealistischen, aber auch karrieresüchtigen Priesters ist zwar nicht die Soap Opera, mit der uns der verfälschte deutsche Titel droht, aber ein sich endlos dahinziehendes, letztlich oberflächliches Melodram - obwohl sie genug Stoff für spannende 114 Minuten böte:

Der frisch ordinierte Padre Amaro wird von seinem Bischof in ein abgelegenes Dorf in den Bergen geschickt, wo er den älteren Padre Benito als Assistent unterstützen und gleichzeitig einen anderen Priester, der sich auf die Seite der Guerilla geschlagen hat, im Auge behalten soll. Bald entdeckt er, dass er in einen Strudel aus Doppelmoral und Korruption geraten ist, da Padre Benito nicht nur ein Verhältnis mit einer Dorfwirtin hat, sondern auch als Geldwäscher für einen Drogenbaron fungiert. - Aber auch er  kann seinen "sündhaften" Wünschen nicht  widerstehen, und er lässt sich auf eine Beziehung mit der jungen  Amelia ein. Als diese von ihm schwanger wird, begeht er das im Originaltitel erwähnte "Verbrechen" mit unabsehbaren Folgen: Er fordert sie auf, das Kind abzutreiben...

Es geht in dem für mexikanische Verhältnisse sicher mutigen Film also letztlich nicht um die oft durchgekaute Zölibatkritik, sondern um eine der katholischen Kirche inhärente Skrupellosigkeit, die auch im jungen Padre - von Gael Garcia Bernal, dem Octavio aus Iñárritus Meisterwerk "Amores Perros" (2000) überzeugend dargestellt - Wurzeln gefasst hat. Bernal war für mich denn auch der Anlass, mir diesen etwa gegenüber Buñuels antiklerikalen Werken stark abfallenden Film anzuschauen. Eine zweite Sichtung im Hinblick auf die Kurzbesprechung dürfte sich als die letzte erwiesen haben - obwohl man im Europa oder in den USA der Gegenwart vergeblich nach einer derart deutlichen Kritik an der katholischen Kirche Ausschau halten wird. - "El crimen del Padre Amaro" vermag die beinahe zwei Stunden Dauer einfach nicht auszufüllen, auch wenn der Priester im unbestechlichen Journalisten Ruben, der den Verwicklungen der Kirche in Drogengeschichten nachgeht, einen an sich interessanten Gegenpol erhält. Fehlender Tiefgang und inszenatorische Schwächen machten ihn zu einem Langweiler der Sonderklasse!


Dienstag, 5. Oktober 2010

Mise En Cinéma

Neben den allgemein bekannten und in vielen Webverzeichnissen auftauchenden Film-Blogs stösst man in den unendlichen Welten des Internets gelegentlich zufällig auf eine Site, die nicht in oft Blogrolls zu finden ist, obwohl sie Beachtung verdient. Vielleicht haben deren Autoren weder Zeit noch Lust, gross die Werbetrommel für sich zu rühren, vielleicht schreiben sie auch wirklich noch aus reiner Freude am Film.

Ich entdeckte Mise En Cinéma während meiner Recherchen zur Besprechung von Truffauts “La nuit américaine” und verfolge den Blogger, der sich Zeit für seine Rezensionen nimmt, seitdem mit grossem Interesse. Denn wir haben eines gemeinsam: Wir bemühen uns nicht um die ultimative Besprechung des neuesten Blockbusters, sondern schreiben über Filme, die uns - aus welchen Gründen auch immer - gerade am Herzen liegen. - Nach einer von mir leider spät entdeckten Reaktion auf einen meiner Kommentare bemerkte ich, dass der ausgezeichnete Autor des Blogs, ein Bonner Student, offenbar von anderen Leuten unserer Zunft noch nicht gross zur Kenntnis genommen wird, und ich nahm ihn ungefragt in meine Blogroll auf, weil ich ihn wenigstens meinen Lesern zugänglich machen möchte.

Deshalb meine Bitte: Schaut doch mal bei Mise En Cinéma rein! Hinterlasst vielleicht bei Gelegenheit einen Kommentar, damit er weiss, dass seine Arbeit gewürdigt wird. Seine Rezensionen sind - was euch als Ansporn dienen soll, meist kürzer gehalten als meine. Und er erklärt euch auch, wie er zu seinem interessanten Blog-Titel gekommen ist

Freitag, 1. Oktober 2010

Her mit der deutschen DVD! - die Fünfte

"Where's Brummel? Dish'd. Where's Long Pole Wellesley? Diddled.
      Where's Whitbread? Romilly? Where's George the Third?
  Where is his will? (That's not so soon unriddled.)
       And where is 'Fum' the Fourth, our 'royal bird'?
   Gone down, it seems, to Scotland to be fiddled..."
(Don Juan, Canto XI, 78)

Zu den Figuren, deren "Verlust" Lord Byron in seinem "Don Juan" gelegentlich auch ironisch in mehreren Strophen beklagt, gehört unter anderem ein gewisser George Bryan Brummell (1778 - 1840), von dem man sagt, er habe ein ganzes Zeitalter geprägt und der unter dem Namen 'Beau' Brummell in die Geschichtsbücher einging. -  Brummell war der Sohn eines Privatsekretärs und machte in der englischen Armee als Husarenoffizier Karriere. Dort freundete er sich bald mit dem Prince of Wales, dem späteren Prinzregenten und König George IV., bekannt für seinen ausschweifenden Lebensstil und seine Fresssucht (er wog 1797 bereits 111 Kilo!), an, auf den er eine Zeitlang grossen Einfluss ausübte. Nach einem Zerwürfnis - seine Hoheit ertrug die spitzen Entgegnungen des Freundes nicht mehr -  kannten Brummell's Gläubiger keine Gnade, und er musste England wegen seiner Spielschulden verlassen. - Sein eigenwilliger Modestil (er forderte nicht zu auffällige, aber genau angepasste Kleidung, sorgfältig ausgesuchte Halstücher und das Reinigen der Stiefel in Champagner) setzte sich zum Teil durch und wurde unter dem Begriff "Dandyism" bekannt. Brummell behauptete, ein anständiger Mann brauche mindestens fünf Stunden, um sich anzuziehen und müsse sich auch mehrmals am Tag umziehen. Er war  zudem  dafür verantwortlich, dass sich die Männer der "guten Gesellschaft" täglich rasierten. Byron, der zu seinen eifrigen Nachahmern zählte, meinte, es sei an sich nichts Aussergewöhnliches an Brummell's Kleidung festzustellen ausser "a certain exquisite propriety". - Das Leben des ersten Dandys wurde mehrmals verfilmt.

Beau Brummell - Rebell und Verführer
(Beau Brummell, USA/Grossbritannien 1954)

Regie: Curtis Bernhardt
Darsteller: Stewart Granger, Elizabeth Taylor, Peter Ustinov, Robert Morley, James Donald, Rosemary Harris, Paul Rogers, Noel Willman u.a.

Ich habe es an sich nicht so mit den Historienschinken, die das Hollywood der 50er Jahre als Waffe gegen das aufkommende Fernsehen einzusetzen versuchte. Besonders grosse Mühe bereiten sie mir, wenn sich Robert Taylor als römischer Kommandant (1951), Ivanhoe (1952) oder Lancelot (1953)  schwerfällig durch pompöse Kulissen bewegen  und Langeweile verbreiten muss. - Dass “Beau Brummell” in dieser Hinsicht eine Ausnahme bildet, mich sogar ausserordentlich begeistert, hat verschiedene Gründe: Zum einen wurde der farbenprächtige Film an Originalschauplätzen gedreht, was die herrliche Landschaft Englands etwa in einer Jagdszene  zur Geltung bringt und dem Zuschauer durch die in einem Landsitz in der Nähe von Windsor Castle entstandenen Innenaufnahmen eine Vorstellung von der Pracht des frühen 19. Jahrhunderts zu vermitteln vermag; zum anderen liegt es natürlich an der über weite Strecken leicht und flüssig daherkommenden Geschichte, die zwar ohne einige historische “Klitterungen” und  erfundenen Liebesschmalz nicht auskommt, diese aber dank des an sich faszinierenden Lebens des “interessantesten Mannes Europas” auf ein Minimum zu beschränken vermag. Und es hat nicht zuletzt mit dem spielfreudigen Ensemble zu tun, das den “Helden” umgibt und ihm - obwohl Stewart Granger, damals ein veritabler Star, eine gute Figur abgibt - gelegentlich sogar die Show stiehlt. (Vielleicht, dies aber mehr privat, finde ich mich auch in den schönen und weniger schönen Seiten des Phänomens Brummell ein wenig wieder.)


Der Film beginnt mit einer Veranstaltung der Husaren, an der der Prince of Wales mehr hungrig als interessiert teilnimmt und die Beau Brummell, der sich gleich in die schöne Lady Patricia verliebt, zum ersten Mal Gelegenheit bietet, sein Missfallen zu erregen. Denn Brummell sagt grundsätzlich, was er für richtig hält - und er kleidet seine Meinung in elegante Spitzen, die ein zukünftiger König nur als frech empfinden kann. Nach Brummell’s Rauswurf aus der Armee sorgt er als politischer Redner, der  die höfische Unsitte, sich die Perücken mit Mehl zu pudern, anprangert, für Furore (er zählt genau auf, wie viele Brote für hungrige Mäuler man stattdessen backen könnte). Als ihn  Prince George deswegen zu sich rufen lässt, entdeckt er rasch, dass er in Brummell eigentlich keinen Gegner hat, sondern einen Menschen, der es gut mit ihm, dem kindischen und entscheidungsunfähigen Fettwanst, meint. Er folgt deshalb nicht nur seinen - auch modischen - Ratschlägen, sondern macht ihn zu seinem engsten Vertrauten und Freund. Schon bald treten die beiden in der Öffentlichkeit immer gemeinsam auf, eine Entwicklung, die der Adel - insbesondere der konservative Premierminister  William Pitt - mit Misstrauen verfolgt.


Von nun an wird der Abenteurer Beau Brummell, der sich für seine elegante Kleidung und die prächtig ausgestattete Wohnung, in der der Prince of Wales ein- und ausgeht, in Unkosten stürzte, von seinen Gläubigern in Ruhe gelassen. Auch Lady Patricia, die eigentlich mit einem Mann von Adel, Lord Edwin, verlobt ist, vermag sich seinem Charme (er nimmt ihr die Ohrringe ab, weil ein vollkommenes Gesicht solchen Schmuck nicht nötig habe) nicht mehr zu entziehen. - Und Lord Byron, der im Film als Brummell’s Freund auftaucht, sieht im Dandy, der in “Ofenröhren” am Geburtstagsfest des Prinzen auftaucht,  sogar die Zukunft heraufkommen. Er erkennt aber auch: “The trouble with most men of superior intellect is their pride. And a proud man can be just as foolish as a fool.”

Als Premierminister Pitt den Prinzen, der seit längerer Zeit offen mit seiner Geliebten Maria Fitzherbert zusammenlebt, aus politischen und finanziellen Gründen mit einer deutschen Prinzessin verehelichen will, rät ihm Brummell, seinen Vater, den auf Schloss Windsor zurückgezogen lebenden und zunehmend in geistiger Umnachtung versinkenden  König George III. (eine kleine Glanzrolle für Robert Morley), entmündigen zu lassen und die Regentschaft zu übernehmen, womit er Pitt’s Pläne durchkreuzen könnte. Tatsächlich willigt das Parlament nur einer Regentschaft mit stark eingeschränkten Befugnissen zu, was Brummell wiederum nicht akzeptieren will. Er weckt dadurch das Misstrauen seines Freundes, der plötzlich denkt, der “Emporkömmling” habe lediglich auf einen Peer-Titel spekuliert. Es kommt zum Zerwürfnis, das seinen Höhepunkt anlässlich eines Balls findet: Brummell weigert sich, dem Prinzen seine Aufwartung zu machen, und nachdem sich Lord Byron pflichtgemäss mit diesem unterhalten hat, fragt er ihn laut vernehmlich: “Gordie, who is your fat friend?”  (Die vorlaute Frage ist meines Wissens historisch beglaubigt, war aber nicht an Byron, sondern an Lord Alvanley gerichtet.)

Beau Brummell’s Schicksal ist damit besiegelt.  Die Gläubiger stürzen sich auf ihn, und Lady Patricia zieht die ruhige Bucht an der Seite eines Adligen dem Orkan mit dem Abenteurer vor. Brummell verlässt das Land und geht zusammen mit seinem treuen Diener nach Frankreich, wo er verarmt. - Am Ende des Films kommt es zu einer berührenden Szene: Der ehemalige Freund, jetzt König George IV., sucht während eines Europabesuchs die Bleibe des Mannes auf, der ihm einst eine Schnupftabakdose schenkte, die beim Öffnen ein “He’s a jolly good fellow” spielt - und die ihn immer an ihn erinnert hat. Er findet Brummell auf dem Sterbebett, und es kommt zur späten Aussöhnung.

Curtis Bernhardt, der als Kurt Bernhardt bereits zu den gefragten Stummfilmregisseuren Deutschlands gehörte ("Schinderhannes", 1928, "Das letzte Fort", 1929), inszeniert die verschwenderisch ausgestattete Geschichte mit grossem Können, die geschliffenen Dialoge und die dem ersten Dandy angemessene fürstliche Musik von Richard Addinsell machen den Film zu einem mehr als beachtlichen unterhaltsamen Erlebnis. Peter Ustinov darf in seiner zweiten Arbeit für MGM nach “Quo Vadis” (1951) als fetter Prince of Wales wieder einen unwiderstehlichen, das Spektakel dominierenden Charaktertypen hinlegen; aber auch Elizabeth Taylor, deren Rolle sicher nicht sonderlich ausgearbeitet ist, und Stewart Granger, in Deutschland noch als “Old Surehand” in diversen Winnetou-Filmen in Erinnerung, überzeugen.

Ein Jammer, dass ausgerechnet dieser unterschätzte Historienfilm nicht endlich aufgefrischt und den Zuschauern im deutschsprachigen Raum auf DVD zugänglich gemacht wird!

Sonntag, 26. September 2010

Lord Byron's "Ottava rima"


Viele Literaturliebhaber verbinden heute mit dem Namen George Gordon Lord Byron (1788 - 1824) vor allem jenen düsteren Helden, dem als auf sich selbst fixierten und verletzlichen Einzelgänger mit künstlerischer Ader Zufriedenheit und Glück versagt bleiben und der als seine Erfindung gilt, weshalb er unter dem Namen “Byronic Hero” Eingang ins Arsenal der “Schwarzen Romantik”  fand. Tatsächlich werden aber die Werke, die diesen Archetypus formten und feierten (etwa “closet plays” wie “Manfred”, 1817, oder die einst von den Damen verschlungenen Verserzählungen “The Corsair” und “Lara”, beide 1814) kaum mehr gelesen. - Dass Byron, eine der faszinierendsten Gestalten der englischen Literatur, noch immer als bedeutender Vertreter der Spätromantik gilt, verdankt er vielmehr einer Strophenform, die er auf einzigartige Weise seinen Zwecken dienlich zu machen verstand und mit deren Hilfe ihm ein  literarisches Meisterwerk von Weltrang gelang: der “ottava rima” (dt. Stanze).

Lord Byron war ein Mann, der sich schon früh den Ruf erwarb, sowohl ein grosser Dichter als auch eine Gestalt von zweifelhaftem Ruf zu sein: Die ersten beiden Canti seines langen und langatmig romantisierenden Gedichts “Childe Harold’s Pilgrimage” (1812 veröffentlicht), machten ihn über Nacht berühmt und sein Verhältnis zur verheirateten Lady Caroline Lamb, die ihn als “mad, bad, and dangerous to know” bezeichnete,  zum "skandalösen" Gesprächsthema der besseren Gesellschaft. Als er sich  dann 1815 auch noch in seine Halbschwester Augusta verliebte und  1816  seine Frau Annabella Milbanke - das Ende einer Zweckehe! - verliess, kam es zum Eklat. Byron, der Mann mit dem Klumpfuss, dem auch etliche Verhältnisse zu jungen Männern nachgesagt werden, verliess England endgültig - und erblühte vielleicht erst jetzt zu wahrhaft künstlerischer Grösse, die sich etwa darin zeigte, dass er in Goethe einen Bewunderer fand.

Byron gilt nicht als der eigentliche Entdecker der in der italienischen Dichtung (Bocaccio, Pulci u.a.) seit langem gebräuchlichen Strophenform “ottava rima” für die englische Literatur. Als er, der zügige und hochtalentierte Vielschreiber, sie jedoch für eines seiner Gedichte (“Beppo”, 1818) benutzte, erkannte er sogleich, welche Möglichkeiten sie einem wahrhaften Könner wie ihm bot - und er beschloss, ein “’mock-epic‘-poem”, ein die alten Epen nachahmendes Spottgedicht zu schreiben, das ihn bis zu seinem Lebensende begleiten und dessen Held, wie er schon zu Beginn ankündigte, nur zufällig Don Juan sein sollte:

"I want a hero: an uncommon want,
     When every year and month sends forth a new one,
 Till, after cloying the gazettes with cant,
     The Age discovers he is not the true one:
  Of such as these I should not care to vaunt,
      I'll therefore take our ancient friend Don Juan -
  We all have seen him in the pantomime,
  Sent to the devil somewhat ere his time."
(Canto I, 1)

Denn auch wenn wir im meisterhaft geschriebenen “Don Juan” gelegentlich etwas über seinen “Helden”, der hier eher als willenloses Opfer sexgieriger Weiber denn als grosser Verführer dargestellt wird, erfahren, so geht es dem bedeutendsten Egomanen unter den Dichtern doch vor allem darum, sich selber respektive seine Kunstfertigkeit zur Schau zu stellen (es ist im Englischen ausserordentlich schwer, derart viele passende  zwei- , ja dreisilbige Reimwörter zu finden und sie erst noch oft spöttisch auf eine  Pointe hin einzusetzen) - und gnadenlos über die englische Gesellschaft herzufallen, deren heuchlerische Dekadenz er ständig im Auge behält, wobei nicht zuletzt die Dichter der “älteren” Romantik unter seinem Hohn leiden müssen. Robert Southey, ein mittelmässiger Dichter, den man zum “poeta laureatus” gemacht hatte, bekommt ebenso sein Fett ab wie William Wordsworth, einst Verfechter der Französischen Revolution, jetzt konservativer und moralinsaurer Gefälligkeitslyriker:

"Such names at present cut a convict figure,
      The very Botany Bay in moral geography;
  Their loyal treason, renegado rigour,
       Are good manure for their more bare biography,
  Wordsworth's last quarto, by the way, is bigger
       Than any since the birthday of typography;
 A drowsy frowzy poem call'd the 'Excursion,'
 Writ in a manner which is my aversion."
(Canto III, 94)

Gemälde von Ford Madox Brown (1821 - 1893)

Besonders gern packt der Erzähler seine Gesellschaftskritik in die vorgeschobene Geschichte um Don Juan ein. So landet etwa der "Held" nach einem Schiffbruch auf einer Insel, wo er sich in die Tochter eines furchterregenden Seeräubers namens Lambro verliebt, dessen Ähnlichkeit mit der "guten" Gesellschaft aber auf perfide Weise betont wird, um den möglicherweise erschreckten Leser ironisch zu beruhigen:

"You're wrong. - He was the mildest manner'd man
      That ever scuttled ship or cut a throat,
 With such true breeding of a gentleman,
      You never could divine his real thought;
  No courtier could, and scarcely woman can
      Gird more deceit within a petticoat;
  Pity he loved adventurorus life's variety,
  He was so great a loss to good society."
(Canto III, 41)

Und wenn dieser Byron vertretende Erzähler darüber nachdenkt, welche grossen Männer, die auf England einen guten Einfluss auszuüben vermochten, nicht mehr am Leben sind oder dem Exil den Vorzug gaben, kann er nur zu einer Schlussfolgerung kommen:

"Nought's permanent among the human race,
 Except the Whigs not getting into place."
(Canto XI, 82)

Daneben werden dem Leser natürlich auch die saftigen Liebesabenteuer aufgetischt, in die der arme Don Juan mehr unfreiwillig hineinrutscht. So beobachtet er als erst erblühender Jüngling etwa über mehrere Strophen hinweg unschuldig mit der verheirateten Julia den Sonnenuntergang, während diese innerlich immer mehr ihrer Geilheit verfällt und ihr am Ende nachgibt, was in Worten  geschildert wird,  die in England  noch heute gern zitiert werden:

"A little still she strove, and much repented,
 And whispering 'I will ne'er consent' - consented."
(Canto I, 117)

Gemälde von Eugène Delacroix (1798 - 1863)

Die folgende gefährliche Affäre führt dazu, dass Don Juan mit seinem Lehrer Pedrillo das Land verlassen muss, der nach einem Schiffbruch (die Szene wurde vom französischen Romantiker Eugène Delacroix gemalt) von den Überlebenden auf einem Rettungsboot gefressen wird. Seine Liebe zur Tochter des Seeräubers wiederum endet auf einem Sklavenmarkt, wo er alsbald zum Lustknaben einer Sultana avanciert. Nach dem Angriff der Russen auf die Türkei findet er auch Schutz...

"In Catherine's reign, whom glory still adores,
  As greatest of all sovereigns and w----s."
(Canto VI, 92)

Im zehnten Canto gelangt Juan endlich nach England, und der Erzähler schildert in drastischen Worten, was für ein in Schmutz und Rauch versinkendes London er eigentlich hätte erblicken müssen (unser naiver Held rühmt indessen den Reichtum des Landes, seine tugendhaften Frauen und sicheren Strassen - um prompt von einem Strassenräuber überfallen zu werden):

"A mighty mass of brick, and smoke, and shipping,
      Dirty and dusky, but as wide as eye
  Could reach, with here and there a sail just skipping
      In sight, then lost amidst the forestry
  Of masts; a wilderness of steeples peeping
      On tiptoe through their sea-coal canopy;
  A huge, dun cupola, like foolscap crown
  On a fool's head - and there is London Town."
(Canto X, 82)

Frech, aufmüpfig legt der Dichter los, dessen erste beiden Canti  von "Don Juan" 1819 in England anonym veröffentlicht und natürlich sogleich wegen ihres “unsittlichen Inhalts” gerügt wurden. Er gab auch zu, dass er keine Ahnung hatte, wohin das Schicksal seinen Helden noch verschlagen sollte. Denn es ging ihm wirklich um Selbstdarstellung und um seine Gesellschaftskritik, auf beinahe akrobatisch zu nennende Art bewältigt mit dieser äusserst schwer zu handhabenden Strophenform, die er für sich regelrecht zu "zähmen" vermochte. Sechzehn Canti und ein halbes sollten es werden; vermutlich hätte er sie leicht verdoppelt, wäre er nicht in jungen Jahren im Kampf für die Unabhängigkeit der Griechen an einer Lungenentzüdndung gestorben. - Byron spielte auch auf sein Vorgehen, die Nachahmung italienischer Dichter, die sich im 17. Jahrhundert mündliche Improvisations-Wettkämpfe geliefert hatten, an, verheimlichte aber, wie mühsam diese  scheinbare Nachahmung im Englischen sein musste:

"I rattle on exactly as I'd talk
 With anybody in a ride or walk.

I don't know that there may be much ability
    Shown in this sort of desultory rhyme;
But there's a conversational facility
    Which may round off an hour upon a time,
Of this I'm sure at least, there's no servility
     In my irregularity of chime,
Which rings what's uppermost of new or hoary,
Just as I feel the Improvvisatore."
(Canto XV, 19 - 20)

Byron wurde es nicht müde, mit seinem geliebten Werkzeug, der “ottava rima”, die herrlichsten Kapriolen anzustellen, vom “Romantizismus” wegzukommen und zu einem der grössten Satiriker aller Zeiten aufzusteigen. Sein Meisterwerk “Don Juan” mag lang sein, vielen zu lang. Aber es ist immer mal wieder eine - möglichst gut kommentierte! - Lektüre wert, lehrt uns allerlei über das ausgehende 18. und frühe 19. Jahrhundert - und weicht keiner Gelegenheit zum Spott aus. Während Shelley, mit dem der Dichter befreundet war, nach einiger Zeit eher “abgehobene” Werke schrieb und uns der jung verstorbene John Keats vor allem wegen seiner wenigen Gedichte in Erinnerung bleibt (die Balladen trugen auch ihren Anteil zur “Schwarzen” Romantik bei), war Lord Byron unter den  Dichtern der Spätromantik derjenige mit der - boshaften - Bodenhaftung. Ein wahrhafter Genuss!

                                                        ******

Kaum jemand dürfte gerade diesem Eintrag aufmerksam gefolgt sein. Wer den Anfang las und jetzt nach den Sternchen noch einmal einsetzte, wird vermuten, meine Besprechung von Byron's Meisterwerk sei als Vorbereitung auf Ken Russells “Gothic” (1986) zu verstehen. - Wenn ihr euch da mal nicht irrt!



































Dienstag, 21. September 2010

Kurzbesprechung: Urbania

Urbania
(Urbania,  USA 2000)

Regie: Jon Shear (anderer Name: Jon Matthews)

Mit Michel Bodmer verfügt das Schweizer Fernsehen (SF DRS) über einen Redaktionsleiter, der die Zuschauer nicht mit dem üblichen filmischen Einheitsbrei, wie man ihn von deutschen Privatsendern her kennt, versorgt, sondern - wofür ich ihm ausserordentlich dankbar bin - in seinen “Delikatessen” immer wieder kleine Perlen präsentiert, die selbst der Liebhaber aussergewöhnlicher Filme sonst wohl nie kennen gelernt hätte. “Urbania”, das mehrfach ausgezeichnete Erstlingswerk von Jon Shear, ist eine dieser Perlen. Der Film könnte hierzulande zu Unrecht in der Abteilung “Gay Movies” Staub ansammeln, weil er einem schwulen Publikum nicht unbedingt das bietet, was es erwartet, von Heterosexuellen jedoch wegen des schwulen Protagonisten leicht in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden droht. - Sein eigentliches Thema sind nämlich die “urban legends”, jene unwahrscheinlichen, skurrilen Geschichten, derer sich jede Grossstadt rühmt und die längst die ländlichen Sagen abgelöst haben.

“Heard any good stories lately?” - Mit diesen Worten beginnt “Urbania”, die Verfilmung eines Bühnenstücks von Daniel Reitz, die das Erzählen als solches thematisiert und visuell auf höchst eigenwillige Weise umzusetzen vermag. Im Mittelpunkt steht der Schwule Charlie (Dan Futterman), dessen Odyssee durch ein nächtliches New York zu verschiedenen Begegnungen - geplanten und zufälligen - führt. Und alle diese Begegnungen gehen mit jenen seltsamen Erzählungen, deren "Glaubwürdigkeit" vom Freund eines Freundes bestätigt wurde, einher, weil die Menschen im Dschungel der Anonymität reden und angehört werden wollen. - Charlie, der auf der Suche nach einem bestimmten Mann ist (er beschreibt ihn gegenüber einem Barkeeper als jemanden, der sich auf der Schwelle befinde, wo Schönheit in Hässlichkeit umschlägt), wird selber von Halluzinationen, Bildern und Erinnerungen an seinen Freund Chris, den er aus irgendeinem Grund zu vermissen scheint, gequält. - Als er den Gesuchten, Dean,  findet, stösst er auf einen rassistischen, homophoben Kerl, der völlig dem Alkohol verfallen ist und von dem er sich als angeblich Heterosexueller zu einem Schwulentreffpunkt mitschleppen lässt, wo der Besoffene ein wenig “Gay Bashing” betreiben will. Doch auch Charlie hat sich nicht aus freundschaftlichen Gründen auf die Suche nach Dean ("who's going to make everything right") gemacht. Was er vorhat, lässt eher auf einen Mann schliessen,  der emotional am Ende ist und dessen Handeln ihn vielleicht selber zur “urban legend”  werden lassen könnte.

Mehr soll und darf man - der Bitte der Herausgeber folgend - nicht verraten. Der Zuschauer muss sich die erste rätselhafte Hälfte, deren Flashbacks und eigenartige Kamerawinkel für Verwirrung sorgen mögen, selber zumuten. Er wird mit einer tragischen Geschichte, deren Mischung aus  Surrealismus und Hyperrealismus an unerwarteter Stelle eine faszinierende, sich dem Traum annähernde Atmosphäre erzeugt, belohnt. Und Dan Futterman's Gestaltung der Hauptfigur in diesem trotz seiner grellen Farben dunkeln und ehrgeizigen Film überzeugt voll und ganz.



Donnerstag, 16. September 2010

Zum (wohl unausweichlichen) Gedenken

Süsses Gift (Alternativtitel: Chabrols süsses Gift)
(Merci pour le chocolat, Frankreich/Schweiz 2000)

Regie: Claude Chabrol
Darsteller: Isabelle Huppert, Jacques Dutronc, Anna Mouglalis, Rodolphe Pauly, Matthieu Simonet

An den Filmen des am 12. September dieses Jahres verstorbenen Claude Chabrol zeigte sich auf eigenartige Weise, wie manche Kritiker dem Wunsch nach Pauschalisierung nachgeben: Da der Regisseur mit “Le Beau Serge” (1958) oder “Les Cousins” (1959) nicht bloss als Mitbegründer der Nouvelle Vague galt, sondern auch bekennender Maoist war und sich mit sozialkritischen Filmen über die Bourgeoisie (“Les biches”, 1968, “La femme infidèle”, 1969) einen Namen gemacht hatte las man sozusagen von jeder neuen Regiearbeit des Franzosen schon floskelhaft, er halte mit seinem neuen Meisterwerk dem Bürgertum wieder  einmal gnadenlos den Spiegel vor - eine Meinung, die oft erst im Nachhinein und nach einigen ehrlichen Rezensionen in mehrfacher Hinsicht revidiert werden musste.

Denn erstens ging es Chabrol, der sich - um es deutlich auszusprechen - als Gourmet in der von ihm kritisierten Bourgeoisie mittlerweile bequem eingerichtet hatte, gelegentlich auch einfach darum, eine Geschichte ohne “hintergründige Angriffe” auf eine bestimmte Gesellschaftsschicht zu erzählen (etwa im gelungenen Psychothriller “Le cri du hibou”, 1987, oder in “Une affaire des femmes”, 1988, dem schon beinahe nach einem Klassiker aussehenden Film über eine Engelmacherin im von den Deutschen besetzten Frankreich der 40er Jahre - mit Isabelle Huppert in einer ihrer grössten Rollen); und zweitens teilte er mit vielen etwas gar fleissigen Regisseuren das Schicksal, ein paar höchst durchschnittliche Filme gedreht zu haben, was nicht zuletzt die öfters eingesetzte Huppert zu verschleiern vermochte, weil sie mit ihrem einzigartig herben Gesicht alles auszudrücken vermag - und selbst wenn sie nichts ausdrückt, den Eindruck erweckt, ihr Schweigen spreche Bände...

“Merci pour le chocolat”, gerade von Schweizer Kritikern bejubelt (es handelte sich um eine Co-Produktion), scheint mir zu diesen mittelmässigen Arbeiten zu gehören: Mika, die Erbin eines Schokoladenkonzerns, lebt mit ihrem Mann André, einem berühmten Pianisten, der ohne das starke Schlafmittel Rohypnol nicht leben kann, in einer luxuriösen Villa hoch über Lausanne. Die beiden waren schon einmal verheiratet, trennten sich aber, weil sich André in Mikas Schwester Lisbeth verliebte, die bei einem Autounfall ums Leben kam. Jetzt scheint die Familienidylle, an der auch Mikas Stiefsohn Guillaume teilhat, perfekt zu sein - bis eines Tages die junge Musikerin Jeanne auftaucht und behauptet, sie könnte nach der Geburt vertauscht worden und vielleicht Andrés Tochter sein. Mika bemerkt, wie ihr zunächst skeptischer Mann zu seiner möglichen Tochter, die bei der Familie ein Wochenende verbringen darf, eine emotional starke Bindung entwickelt, ihr regelrecht “verfällt”. Er offeriert der jungen begabten Frau Piano-Lektionen, in denen er völlig aufgeht (Warnung: Der Trauermarsch von Franz Liszt wird bis zum Überdruss eingeübt!) - und darüber ganz vergisst, dass er noch eine Frau hat, die sich freilich nichts anmerken lässt, sondern weiterhin die freundliche und “perfekte” Gastgeberin spielt.


Dies der Ausgangspunkt eines Psychothrillers nach einem Roman von Charlotte Armstrong, der auch in die Vergangenheit führen wird, dessen Plot man aber recht schnell durchschaut. Die eigentlich banale Geschichte, die - das Klavierspiel nachahmend - durch Andeuten und leichtes Akzentuieren einer Vernachlässigung gekonnt vorgibt, mehr zu sein als sie ist, bedarf schon allerhand interpretatorischer Kunststücke, wenn man sie zum in der Tradition von Chabrols frühen Filmen stehenden sozialkritischen Meisterwerk erheben will - indem man etwa zu erkennen glaubt, die Kernaussage von “Merci pour le chocolat” (ein inhaltlich ziemlich verräterischer Titel!) sei: Der in der bürgerlichen Familie lebende Mensch ist gezwungen, zum Künstler oder zum Mörder zu werden (so Georg Seesslen in einer Rezension, die nur stellvertretend für viele stehen soll). --- Natürlich geht es um eine kranke, verletzte Seele, die zum Unheil einer an sich kranken Familie, wie man sie übrigens in allen Gesellschaftsschichten finden könnte, wird (die Familienidylle erweist sich grundsätzlich als so trügerisch wie der ruhige Genfersee, der uns - um seine Symbolik zu verdeutlichen - ähnlich oft und mit aufdringlicher Regelmässigkeit vor Augen geführt wird wie das Sanatorium in Geissendörfers “Zauberberg”, 1982). Man darf sich jedoch fragen, wer in dieser Familie der Mörder ist; denn es gibt auch Seelenmörder. - Dies ist aber auch schon alles, was ich, der ich sonst jeder nicht allzu phantasievollen Interpretation gesonnen bin, der höchstens leidlich spannenden Geschichte zu entnehmen vermag. Der Film gibt nämlich all das, was man in ihn hineinzulegen versucht, bloss scheinbar her. Er könnte auch als durchschnittlicher “Tatort“, der ein klein wenig an der bürgerlichen Fassade kratzt, durchgehen.


Weshalb komme ich im Zusammenhang mit Chabrols Tod also überhaupt auf  "Merci pour le chocolat" zu sprechen? - Es geht mir einzig um die grosse Isabelle Huppert, die ich bewundere, seit ich sie in Claude Gorettas “La dentellière” (1977), einem leider etwas in Vergessenheit geratenen Zeitdokument,  zum ersten Mal sah. Es wäre ein Leichtes, sie für einen ihrer grossen Filme zu loben. Dass sie jedoch - umgeben von blass gezeichneten Darstellern - den kammerspielartigen “Thriller” von Chabrol zu einem Ereignis macht, ist ein Verdienst sondergleichen. Man muss sie bloss als scheinbar geduldige Gattin still auf dem Sofa sitzend oder bei der Zubereitung der allabendlich ihrem Stiefsohn kredenzten Schokolade (sie lässt - malheureusement! - die Kanne fallen) beobachten; dann weiss man, was “Merci pour le chocolat” in den fähigen Händen eines das Abgründige betonenden Regisseurs tatsächlich sein könnte. Sogar ihr letzter Blick auf ihren Mann lässt Zweifel aufkommen, ob die Schein-Idylle nicht doch aufrecht erhalten bleibt. Er lässt den Zuschauer verunsichert zurück. - Es ist sicher eine undankbare Aufgabe für eine Schauspielerin, die ich als Jahrhundertereignis bezeichnen möchte, Mittelmass mit ihrem Glanz zu erfüllen; dass sie es dennoch mit Bravour bewältigt, scheint mir eine Erwähnung wert.

Zum Schluss eine kleine Anregung für unsere Freunde der etwas abwegigen und weit hergeholten Interpretationen: Warum rücken sie nicht den Genfersee mit seiner im wahrsten Sinne des Wortes tiefgründigen Bedeutung etwas mehr ins Zentrum des Interesses? Führt Chabrol mit ihm nicht sämtliche Vorstellungen des für unsere antik-christlich geprägte Kultur so entscheidenden Begriffs vom Grunde - von der “causa” der antiken Philosophie mit all ihren Implikationen bis zum der mittelalterlichen Mystik zu verdankenden religiösen “Seelengrund” - ad absurdum und läutet ein völlig neues Zeitalter ein, weil man auf dem Grund des Sees schlicht --- ersäuft?