Österreich 1961
Regie: Kurt Steinwendner (Curt Stenvert)
Selbstverständlich liegt Venedig im Wasser - das weiß man doch. Was soll also der Titel? Steinwendners 11-minütiger Film besteht nur aus Ansichten von Venedig, ohne Handlung, ohne Kommentar. Das Besondere: Die Stadt wird nicht direkt gefilmt, sondern als Reflexion im mehr oder weniger gekräuselten Wasser der Lagune und der Kanäle. So ergeben sich Bilder von leicht verzerrt bis völlig abstrakt. Die Kamera wurde dafür kopfüber gehalten, so dass die gespiegelten Bilder wieder aufrecht stehen. Einmal fiel die Kamera ins Wasser, aber sie konnte geborgen werden, und nach gründlicher Reinigung in den Arri-Werken in München konnte es weitergehen. Dass die poetischen Impressionen nicht ins Süßliche abgleiten, dafür sorgt auch die avantgardistische Musik, die von einem Eric Sidey stammt, der wohl in den 60er Jahren ein Pionier auf frühen Modellen des Moog-Synthesizers war. Die frühere Vorliebe Steinwendners für das nicht nur in WIENERINNEN eingesetzte Heliophon findet hier seine logische Weiterentwicklung. Die Einrichtung der Musik für den Film, also Tonschnitt etc., übernahm Steinwendners zweite Frau, die frühere Burgschauspielerin Antonia Mittrowsky. Der originelle und extravagante Film erhielt 1962 bei der Berlinale einen Silbernen Bären. Wie schon im Artikel über WIENERINNEN erwähnt, ist VENEDIG als Bonusfilm auf einer DVD enthalten, die als Beilage einer Monographie über Steinwendner erhältlich ist. Und jetzt sollen die Screenshots für sich sprechen.










Mist! Ich dachte, ich käme daran vorbei, mir diese Folge vom ›Taschenkino‹ zu kaufen (da ich »Wienerinnen« schon als DVD aus der ›Standard‹-Edition mein eigen nenne), aber das sieht doch recht vielversprechend aus, und die Euros müssen ja eh weg … Danke für den Tip! :) PS: Wurde »Venedig« in Scope gedreht?
AntwortenLöschenIch weiß nicht, in welchem exakten Format er gedreht wurde, aber die Screenshots geben jedenfalls das Bildverhältnis wieder, wie er auf der DVD ist.
AntwortenLöschenIch hab dem Artikel über WIENERINNEN noch ein kleines Update verpasst, in dem auch die anderen Bonus-Filme auf der DVD erwähnt werden.
Eigentlich eine naheliegende Idee: einen Ort konsequent von dem aus zu zeigen, was ihn ausmacht. Und trotzdem wurde sie meines Wissens nie so konsequent umgesetzt wie hier. Man liess Katherine Hepburn mal in einen Kanal fallen, fuhr vom Eiffelturm aus über die Dächer von Paris. Aber das war alles lediglich charakterisierendes "Beiwerk".
AntwortenLöschenZürich wäre im Moment ein ideales Sujet für einen derartigen Film von elf Minuten: Zuerst fährt die Kamera langsam und genussvoll die Fassaden der Banken ab; anschliessend mutet sie dem (allerdings Hartgesottenes gewohnten) Zuschauer die "Köpfe" der SVP-Politiker zu, mit denen die Stadt glänzt.
Dieser Kurzfilm hört sich interessant an und wird bei der nächsten Gelegenheit angesehen, danke. Ich liebe Surrealismus und Venedig bietet spätestens seit "Wenn die Gondeln Trauer tragen" eine schöne Umgebung für Filme.
AntwortenLöschen@Whoknows:
AntwortenLöschenMan könnte die Zürich-Impressionen auch durch Spiegelungen von blankpolierten Münzen indirekt einfangen...
Wow, vielen Dank für diese kurze Besprechung und den Hinweis auf die "Taschenkino-Reihe". Werde da wohl demnächst zuschlagen müssen, und freue mich schon auf Steinwendner und Co. Hoffentlich wird die Reihe noch fleißig fortgesetzt. Überhaupt sollte es mehr Buchveröffentlichungen im Filmbereich geben, die digitale Medien als Beiwerk zu nutzen verstehen.
AntwortenLöschenJa, das Filmarchiv Austria leistet da gute Arbeit. Neben dem "Taschenkino" mit bisher sechs Ausgaben gibt es auch noch die Edition Film & Text, die Bücher und DVDs (gelegentlich auch VHS), die es auch jeweils einzeln gibt, zu einem Paket zusammenfasst. Allerdings zu deutlich höheren Preisen als beim "Taschenkino".
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